Chronische Krankheiten: Volles Korn kann präventiv wirken

28. Juni 2016, 07:00
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Laut einer Studie kann selbst eine geringe Steigerung des Vollkornkonsums gesundheitliche Vorteile bringen

London – Wissenschafter vom Imperial College London haben einer Untersuchung zufolge einen Zusammenhang zwischen erhöhter Aufnahme von Vollkornnahrung und einem verminderten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt. Auch die Sterbewahrscheinlichkeit durch Krebs, Diabetes, Infektions- und Atemwegserkrankungen sowie durch Schlaganfälle war niedriger.

"Unsere Ergebnisse unterstützen die Ernährungsempfehlung, dass die Bevölkerung mehr Vollkornnahrungsmittel zu sich nehmen sollte, um das Risiko für chronische Krankheiten sowie vorzeitige Todesfälle zu senken", schreibt das internationale Forscherteam um Dagfinn Aune im "British Medical Journal".

Der größte Vorteil durch eine Ernährungsumstellung wurde bei Personen festgestellt, die zuvor keine Vollkornprodukte zu sich nahmen und im Laufe von Studien bis zu zwei Portionen pro Tag konsumierten. Das entspricht 32 Gramm Vollkornweizen oder 60 Gramm Vollkornbrot pro Tag. Ein noch stärkerer Einfluss zeigte sich bei einem Konsum von 225 Gramm pro Tag – das entspricht 7,5 Portionen.

Größter Unterschied bei Diabetes

In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren wurden zahlreiche Hinweise auf gesundheitliche Vorteile durch vollkornreiche Ernährung gefunden. Empfehlungen für die tägliche Menge sowie für bestimmte Arten von Vollkornprodukten, die das Risiko für chronische Krankheiten und vorzeitige Todesfälle senken könnten, waren jedoch oft unklar oder widersprüchlich.

Daher führten die Forscher eine Metaanalyse von 45 veröffentlichten Studien zu diesem Aspekt durch. Sie analysierten dabei unter anderem die Resultate zu 100.000 Todesfällen unter 700.000 Studienteilnehmern. Ziel der Studie war es, Beweise für einen Zusammenhang zusammenzuführen. Über Ursache und Wirkung können so aber keine Rückschlüsse gezogen werden, wie die Wissenschafter betonen.

Die Ergebnisse zeigten: Pro 90 Gramm Vollkornprodukt (drei Portionen) pro Tag war das relative Risiko für eine koronare Herzkrankheit um 19 Prozent, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen allgemein um 22 Prozent niedriger. Die Gesamtmortalität wurde um 17 Prozent reduziert, die Sterblichkeit durch einen Schlaganfall um 14 Prozent, durch Krebs um 15 Prozent. Todesfälle aufgrund von Atemwegs- und Infektionskrankheiten waren um 22 bzw. 26 Prozent geringer. Den größten Unterschied zeigte die Ernährungsumstellung bei Diabetes: Hier war die Sterblichkeitsrate um 51 Prozent niedriger.

Vollkorn statt Weißmehl

Bei den untersuchten Vollkornprodukten, die eine Risikominderung bewirken können, handelte es der Analyse zufolge um Brot, Frühstückscerealien und Müsli. Ein positiver Gesundheitseffekt im Zusammenhang mit raffinierten Getreideprodukten wie Weißbrot oder weißen und anderen Sorten Reis konnte nicht festgestellt werden.

Da nur wenige Menschen drei oder mehr Portionen Vollkornnahrungsmittel pro Tag zu sich nehmen, empfehlen die Autoren, "die Vollkornaufnahme so weit wie möglich zu erhöhen und sich für Vollkorn statt raffiniertes Getreide zu entscheiden". Die meisten Studien wurden bisher in den USA durchgeführt, daher rufen sie auch zu mehr Forschung in anderen Regionen auf, um gesundheitliche Vorteile verschiedener Vollkorntypen zu bestimmen.

In einem Editorial zur Metastudie schreiben Cecilie Kyrø und Anne Tjønneland vom dänischen Krebsforschungszentrum, dass eine Vollkornzufuhr von 7,5 Portionen pro Tag die höchste Risikosenkung zeigte – ein Ernähhrungsplan, der zwar "ehrgeizig ist, aber machbar". In Dänemark sei es etwa gelungen, den Vollkornkonsum in den vergangenen zehn Jahren zu verdoppeln, vor allem durch effektive Kampagnen und Produktentwicklung. Wichtig sei allerdings, dabei keine Vollkornprodukte mit hohem Zucker- oder Salzgehalt zu fördern. (sica, 28.6.2016)

  • Vollkornprodukte sind gesünder als Weißmehl – zumindest darin sind sich Wissenschafter einig.
    foto: apa/ap/matthew mead

    Vollkornprodukte sind gesünder als Weißmehl – zumindest darin sind sich Wissenschafter einig.

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