Melanzani und Orangen aus Andorra vor Spanien-Wahl hoch im Kurs

22. Juni 2016, 10:32
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Medien tarnen Umfragewerte als Obst- und Gemüsepreise, um Veröffentlichungsverbot zu umgehen

Madrid – Den spanischen Gesetzen gemäß ist es seit Dienstag untersagt, die Ergebnisse von Meinungsumfragen zum voraussichtlichen Ausgang der bevorstehenden Parlamentswahl zu veröffentlichen. Einige Medien haben vor der Neuwahl am kommenden Sonntag jedoch Wege gefunden, dieses Verbot zu umgehen.

Die in Barcelona erscheinende Zeitung "El Periodico" verbreitet täglich aktuelle Umfragewerte auf der Internetseite ihres Schwesterblatts im benachbarten Kleinstaat Andorra. Diese Berichte in "El Periodic d'Andorra" können auch von Spanien aus im Internet gelesen werden. Die Madrider Zeitung "El Mundo" griff die dort verbreiteten Zahl auf, zeichnete sie aber nicht als Umfragewerte aus, sondern als die "Preise in einem Obst- und Gemüseladen in Andorra". "Es ist nicht verboten, die Lebensmittelpreise in Andorra zu veröffentlichen", schrieb das Blatt in seiner Online-Ausgabe. "Es ist reiner Zufall, dass die Preise exakt mit den Umfragewerten aus 'El Periodic d'Andorra' übereinstimmen."

Dabei nennt "El Mundo" keine Namen von Parteien. Aber die Leser wissen, dass der Preis für das Wasser dem voraussichtlichen Prozentsatz des Partido Popular (Volkspartei/PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy entspricht, weil Blau die Farbe der Konservativen ist. Die Erdbeeren stehen für die Sozialisten (PSOE, rot), die Melanzani für die Linkspartei Podemos ("Wir können", violett) und die Orangen für die liberalen Ciudadanos ("Bürger", orange). (APA, 22.6.2016)

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    foto: reuters/andres stapff

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