Uni Wien investiert mehr als 100 Millionen in St. Marx

22. Juni 2016, 10:21
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Das Biologiezentrum der Universität Wien wird aus dem neunten in den dritten Bezirk übersiedeln – an einen Standort, wo schon passende Einrichtungen vorhanden sind

Wien – Die Universität Wien erhält einen neuen Standort in St. Marx. Mittlerweile ist die Übersiedlung des Biologie-Zentrums aus der Althanstraße in Wien-Alsergrund nach Wien-Landstraße vom Wissenschafts- und vom Finanzminister "voll rechtsgültig entschieden", erklärt Rektor Heinz Engl der APA.

Noch heuer soll der Architektenwettbewerb für den deutlich über 100 Millionen Euro veranschlagten Neubau starten. Das derzeitige Biologie-Zentrum entspricht mittelfristig nicht mehr den Arbeitnehmerschutz- und Brandschutzbestimmungen. In St. Marx sind bereits die Molekularbiologie, Einrichtungen der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sowie das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) angesiedelt.

Wiener Uni im internationlen Vergleich unterfinanziert

In ihrem neuen Leistungsbericht weist die Uni Wien den Erhalt zahlreicher Wissenschaftsförderpreise aus – darunter den Wittgensteinpreis 2015 sowie zahlreiche START-Preise für Nachwuchswissenschafter. Insgesamt konnten sich Forscher der Universität seit Beginn der Förderungen durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) 36 ERC-Grants in Millionenhöhe sichern. "Das ist in derselben Dimension wie die Ludwig-Maximilian-Universität München oder die Universität Zürich", so Engl. Das müsse aber nicht so bleiben: "Wenn ich die Studierendenzahlen dieser beiden Universitäten mit unseren vergleiche, sind wir trotz der großen Erfolge unterfinanziert", meinte der Rektor.

"Wir können mit unserem Budgetzuwachs die laufenden Kosten abdecken, aber wir wollen uns ja direkt mit diesen Unis messen." Dazu käme noch die geringe Finanzierung des Wissenschaftsfonds FWF im Vergleich zu seinen deutschen bzw. Schweizer Pendants. "Da klaffen wirklich große Lücken zuungunsten Österreichs."

Problematische Förderungspraxis

"Sehr schmerzlich" sei daher etwa die erneute Abschaffung der Overheadkosten für FWF-geförderte Projekte, so Engl. "Neben dem Beitrag zur Grundfinanzierung war das auch ein Riesen-Leistungsanreiz." Insgesamt entfielen der Uni Wien dadurch jährlich rund vier Millionen Euro. Auch die Mittel für die heruntergefahrenen bzw. eingestellten FWF-Doktoratskollegs würden nicht ersetzt.

Ganz generell seien die Bewilligungsquoten für FWF-Projekte "unter ein Level gefallen, das noch erträglich ist", betonte Engl. Während seiner Zeit im FWF-Kuratorium sei diese noch bei 35 Prozent gelegen, mittlerweile aber auf 20 Prozent gefallen.

Zusätzliche Mittel für Nachwuchs nötig

Engpässe ortet Engl außerdem in drei Bereichen: Einerseits seien die Betreuungsrelationen in Fächern wie Geschichte oder Sozialwissenschaften angespannt. Hier könne er sich vorstellen, im Falle zusätzlicher Mittel verstärkt in Laufbahnstellen für Nachwuchswissenschafter zu investieren. Diese können durch eine Novelle des Universitätsgesetzes nach entsprechender Qualifikationsüberprüfung nun bis zu einer vollen Professur führen.

Andererseits gebe es Engpässe bei der Ausstattung – etwa in der Physik und der Chemie: Die dort stark zunehmende Zahl der Studierenden könne zwar vom Personal noch gut betreut werden, es fehle aber an Laborplätzen. "Die Zahl der Studierenden, die ein Anfängerlabor braucht, hat sich verdoppelt, aber die Zahl der Plätze kaum verändert."

Und schließlich brauche man Forschungsinfrastruktur in den Natur- und Lebenswissenschaften. In Großbritannien und Kalifornien werde etwa in der Quantenphysik – einem der Stärkefelder der Uni Wien – massiv investiert: "Wenn wir da mithalten wollen, müssen wir das auch tun", so Engl.

Interdisziplinäre Masterstudien

Im Studienbereich setzt die Uni Wien auf die Schaffung interdisziplinärer Masterstudien. Diese sollen von unterschiedlichen Bachelorstudien aus belegt werden können, eventuell nach Absolvierung bestimmter Einstiegsmodule. Im vergangenen Studienjahr startete etwa das Masterstudium "Interdisziplinäre Osteuropastudien", eine Kombination aus Geschichte und Sprachwissenschaften, die auch mit Jus und Theologie verwoben ist. Im Herbst beginnt etwa das Masterstudium "Zeitgeschichte und Medien" (Geschichte und Publizistik) sowie "Bioinformatik" (Biologie, Mathematik, Chemie, Informatik). Das auf das Bachelor-Master-System umgestellte Pharmazie-Studium erhält neben dem Master-Studium, das zum Apotheker qualifiziert, außerdem noch ein wissenschaftsorientiertes englischsprachiges Master-Studium "Drug Discovery and Development". (APA, 22.6.2016)

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