Kapsch arbeitet sich von der Autobahn in die Stadt vor

22. Juni 2016, 16:01
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Mautsystemanbieter Kapsch TrafficCom hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis eingefahren

Wien – Georg Kapsch, in seiner Rolle als Industriechef als strenger Mahner bekannt, kann als Konzernchef Positives berichten. Mautsystemanbieter Kapsch Traffic Com erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015/16 ein Rekordergebnis. Auf der Habenseite nennt er bei der Präsentation der Zahlen in Wien unter anderem die mittlerweile gute Präsenz in den USA. Fast 20 Prozent der Umsätze erwirschaftet der Technologiekonzern auf dem weltgrößten Mautmarkt. Dieser sei interessant, "weil man viel ausprobieren kann". In manchen Städten setzt man auf kontrollierte Fahrstreifen. Fahren darf nur, wer dafür bezahlt: "Das könnte man auch in Europa machen. Aber da ist der Neid zu groß, dass jemand, der zahlt, schneller ankommt."

Strategisch setzt Kapsch TrafficCom verstärkt auf intelligente Mobilitätslösungen, auch für die Stadt. Parkraumbewirtschaftung ist ein Thema: "30 Prozent des Verkehrs innerhalb des Wiener Ringes entsteht durch Parkplatzsuche", rechnete Kapsch vor. Eine Lösung mit möglichst schlanker Infrastruktur zu finden, sei dabei die Herausforderung. Gespräche mit der Stadt Wien werden laut Kapsch geführt: "Das machen aber andere Anbieter auch."

Von einer flächendeckenden Lkw-Maut auf Bundesstraßen, wie sie von einigen Ländern gefordert wird, hält Kapsch wenig. "Auch wenn ich gegen unser eigenes Geschäft spreche". Eine solche Abgabe sei volkswirtschaftlicher Unsinn. "Erstens erwischt man damit großteils Regionalverkehr und zweitens werden entlegene Regionen noch mehr belastet", so Kapsch. Außerdem wäre das System weit teurer als von den Befürwortern angeführt und die Kontrolle sehr schwierig. "Wenn die Bundesländer glauben, so ihr Budget aufzubessern, wird das nicht funktionieren", sagt Kapsch.

Insgesamt ist der Umsatz um 15 Prozent auf 526,1 Millionen Euro gestiegen. Das Wachstum kam vor allem aus dem Auslandsgeschäft. Auch das Kostensenkungsprogramm macht sich positiv bemerkbar: das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um 90 Prozent auf 62,3 Millionen, das Periodenergebnis um 220 Prozent auf 36,5 Millionen Euro. Den Aktionären winkt nun eine Rekorddividende von 1,50 Euro. (rebu, 22.6.2016)

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