Menschen und Schafe

Kolumne21. Juni 2016, 18:22
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Bis zu 30.000 Isländer werden am Mittwoch im Stade de France erwartet, das sind fast zehn Prozent der Bevölkerung. Das muss man sich einmal vorstellen. Umgemünzt auf Deutschland wären das acht Millionen. Ein logistischer Wahnsinn, die würden nie und nimmer ins Stadion passen. Oder 4,6 Millionen Spanier. Das größte Kontingent stellt logischerweise Gastgeber Frankreich, die 66 Millionen sind allerdings nicht extra angereist. Aus Österreich müssten 850.000 kommen, es werden 30.000 sein. So eine EURO löst Wanderungen aus. Island vereinsamt für ein paar Stunden, Tage.

Den 10.000 Polarfüchsen und 3000 Rentieren wird das recht sein. Die Vögel, etwa die Trottellummen oder Dickschnabellummen, genießen den noch freieren Blick auf die 100.000 Quadratkilometer. Die Islandpferde können sich aufs faule Fell hauen. In der aktuellen "Mensch-Schaf-Verhältnis"-Liste belegt die raue Insel den siebenten Platz, auf 1000 Menschen kommen 1636 Schafe. In Führung liegt übrigens Neuseeland, dort herrscht mit 1000 zu 10.433 eine regelrechte Schafplage. Österreich setzt eher auf Rinder und Schweine.

Island ist EM-Debütant. Und als einzige Mannschaft in der Geschichte dieses Turniers ungeschlagen. Zwei Spiele, zwei Unentschieden. Deutschland, Frankreich und Spanien erblassen vor Neid. Österreich hat bei der Endrunde noch nie ein Match gewonnen. Das gehört geändert. Dass ausgerechnet das sympathische Island dafür herhalten muss und Marko Arnautovic in der Nachspielzeit das 1:0 erzielt, ist bedauerlich. (Christian Hackl, 21.6.2016)

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