Endlich Verleger: Horst Pirker, der neue Boss der News-Gruppe

Kopf des Tages21. Juni 2016, 17:38
16 Postings

Pirker will kein Darlehen für den News-Kauf aufgenommen haben. Und: Er kaufe selbst, nicht für andere

Ist Horst Pirker (56) reich – oder die Verlagsgruppe News so billig? News-Geschäftsführer Pirker übernimmt gerade 56 Prozent an Österreichs marktbeherrschender Magazingruppe vom deutschen Verlag Gruner+Jahr.

"Ich bin nicht reich", sagt Pirker. Auch wenn er früh in Führungsjobs kam: mit 26 Verlagsleiter der "Kleinen Zeitung Kärnten" im Styria-Verlag. Mit 37 im Konzernvorstand, mit 39 steht er ihm vor. Ab 1999 expandiert er den Regionalverlag zu Österreichs drittgrößtem Medienkonzern. Zeitungsmarktbeherrscher in Kroatien, Gratisblätter in Slowenien (inzwischen eingestellt); Magazine, "Presse", "Wirtschaftsblatt" kamen dazu.

Unternehmer sein, nennt Pirker damals als Zukunftsperspektive. Die Styria, nun kontrolliert von einer katholischen Privatstiftung, führt er mit dem Selbstbewusstsein eines Verlegers, der zufällig keine Anteile hält (nur an kleinen Verlagen der Styria). Bis ein anderer, auch selbstbewusster Unternehmer Aufsichtsratschef wird. Pirker geht 2010 im Streit über die Strategie.

Strategie ist Pirkers Thema als Wirtschaftsprofessor an der Grazer Uni. Eine Strategie entwickelte er als Geschäftsführer für das Red Bull Media House – kein Jahr kamen die Alphatiere Dietrich Mateschitz und Pirker miteinander aus. Dann stellte er den Grazer Entsorgungsriesen Saubermacher AG neu auf. Seit Juni 2014 versucht er das als Manager mit der News-Gruppe. Schon 2014 wurde über Anteile für Pirker spekuliert – und dementiert.

Ich bin nicht reich, sagt Pirker, auch wenn er mit Immobiliengeschäften gut verdiente. Und die Familie Brost beriet er eher nicht gratis, als sie 2012 ihre 50 Prozent an der deutschen Mediengruppe WAZ (Funke-Gruppe) für kolportierte 500 Millionen Euro verkaufte.

Pirker will kein Darlehen für den News-Kauf aufgenommen haben. Und: Er kaufe selbst, nicht für andere. Gruner+Jahr hat der News-Gruppe noch kolportierte 17 Millionen Euro Zuschuss mitgegeben. Das spricht gegen einen hohen Kaufpreis für das Medienhaus mit 90 bis 100 Millionen Umsatz und offenbar wieder positiven Ergebnissen. Pirker kann sich damit vorerst ein Stück reicher fühlen – auch wenn ihn der Begriff nicht interessiert.

Sollte seine Strategie in extrem fordernden Print-Zeiten nicht aufgehen: Sohn Georg (28), eines von fünf Kindern, führt Pirkers kleinere Magazingruppe um Architektur aktuell und Parnass. Er hat dem Vater schon angeboten, ihm auch bei der News-Gruppe zu zeigen, wie es geht. (Harald Fidler, 21.6.2016)

Zum Thema

Gruner+Jahr gibt News-Mehrheit an Manager Horst Pirker ab – Pirker übernimmt die 75 Prozent von Bertelsmann Österreich / Gruner+Jahr an der Verlagsgruppe News Beteiligungsgesellschaft

Medienminister Drozda begrüßt Pirkers Bekenntnis zu "News" – "Pirker weiß, wovon er redet" und werde sicher auch schlüssige Konzepte für die Weiterentwicklung des Konzerns haben

  • Horst Pirker übernimmt 56 Prozent an Österreichs größtem Magazinverlag
    foto: standard/pirker

    Horst Pirker übernimmt 56 Prozent an Österreichs größtem Magazinverlag

Share if you care.