Forscher leiden an mangelnder Awareness und fehlenden Mitteln

22. Juni 2016, 16:41
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Forschungsrat fordert zusätzlich 100 Millionen Euro für den Wissenschaftsfonds FWF

Wien – Während eines Ereignisses wie der derzeit laufenden Fußballeuropameisterschaft darf man schon einmal Vergleiche mit dem Spiel der Spiele ziehen. So dachte sich das vermutlich der Genetiker und Buchautor Markus Hengstschläger, der als stellvertretender Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung meinte: "Ich wünsche mir für Österreichs Forscher nur einen Bruchteil der Awareness, die Österreichs Fußballer genießen." Wer David Alaba ist, weiß jeder. Die Leistungen von Physikern, Neurowissenschaftern, Biologen oder Archäologen kennt nur ein Bruchteil der Österreicher.

Hengstschläger sprach damit die in vielen Umfragen bestätigte wissenschaftsskeptische Haltung der österreichischen Bevölkerung an. Sie habe logische Konsequenzen auf den Geldgeber Bund: Solange die Wähler nicht mit Nachdruck den Politikern vermitteln, die Grundlagenforschung besser dotieren zu müssen, sehen sich diese nicht gezwungen, in Budgetfragen aktiv zu werden.

Hengstschläger und der Ratsvorsitzende Hannes Androsch glauben nicht mehr daran, dass Österreich 2020 Innovation-Leader wird – so lautete nämlich das Ziel in der 2011 verabschiedeten Forschungsstrategie gemessen am Ranking der europäischen Staaten, das die F&E-affinsten Länder an der Spitze sieht. Österreich fällt hier in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück. Die derzeitige Quote von drei Prozent sei zwar beachtlich, die Innovationsdynamik früherer Jahre sei aber verloren gegangen.

Zu wenig Mittel für den FWF

Ein erkennbares Zeichen: Der Wissenschaftsfonds FWF sei dramatisch unterdotiert und bräuchte jährlich etwa 100 Millionen Euro zusätzlich zum derzeitigen Jahresbudget von 180 Millionen Euro. Ebenfalls zu wenig Mittel würden derzeit auch von der Nationalstiftung ausgeschüttet: 18 Millionen Euro. Da brauche es schon Nachbesserungen durch den Österreich-Fonds, der aus Einnahmen durch den neuen 55-Prozent-Steuersatz für Einkommensanteile über einer Mio. Euro gespeist wird. Hier fließen heuer 33,7 Mio. Euro. Androsch erwartet aber noch einen Nachschlag der Regierung in Höhe von 50 Mio. Euro. Das wäre ein wichtiges Signal. Hengstschläger wundert sich, dass die Politik nicht handle, obwohl die Probleme klar erkennbar seien.

Androsch wollte nicht nur von quantitativen Mängeln reden. Es fehle auch an der "Fokussierung". Daher komme es zu Doppelgleisigkeiten im Fördersystem zwischen Bund und Ländern, womit er eine Rechnungshof-Prüfung anspricht, die derzeit in der heimischen Community diskutiert wird. Was passiert, wenn die Innovationsdynamik früherer Jahre nicht wieder aufgenommen wird? ""Wenn ein Schüler seine Aufgaben nicht macht, fliegt er durch", meinte Androsch. Und ergänzte ernsthaft: Dann werde es weniger Wirtschaftswachstum, weniger Wohlstand und mehr Arbeitslose im Land geben. (pi, APA, 22.6.2016)

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