Trump wird langsam das Geld knapp

21. Juni 2016, 17:07
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Nicht genug, dass er in Umfragen verliert: Finanziell geht Donald Trump langsam die Luft aus. Auch der Widerstand in den republikanischen Reihen gegen einen Präsidentschaftskandidaten Trump verstummt nicht.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump war immer schon ein Meister der Übertreibung. Nach eigenen Angaben besitzt er zehn Milliarden Dollar, während das Wirtschaftsmagazin Forbes ihn 2015 mit 4,5 Milliarden Dollar listet. Damit ist er "nur" an 151. Stelle der Liste der reichsten Bürger der Vereinigten Staaten.

Mittlerweile dürfte sein Vermögen aber weiter geschrumpft sein, denn ein US-Wahlkampf gehört zu den Unternehmungen kostspieliger Art. Im vergangenen Monat standen Trump laut US-Wahlkampfbehörde 3,1 Millionen Dollar zur Verfügung, 2,2 Millionen davon habe er als Kredit bei sich selbst aufgenommen. Zum Vergleich: Hillary Clintons Kampagne konnte im Mai auf 26 Millionen Dollar Budget zurückgreifen, mehr als das Achtfache.

Die Zahlen unterstreichen die unterschiedlichen finanziellen Startvoraussetzungen, mit denen die beiden mutmaßlichen Kandidaten in den Zweikampf um die US-Präsidentschaft starten. Nicht genug, dass Trump im direkten Vergleich schlecht abschneidet, investieren zahlreiche Super-PACs weiterhin in Kampagnen, die gegen Trump als US-Präsidenten ankämpfen. Trump kann noch darauf hoffen, dass sich republikanische Geldgeber, deren Scheckbücher ihm bislang versperrt blieben, eines Besseren besinnen und seine Kandidatur ab dem Parteitag Mitte Juli unterstützen.

Umstrittene Aussagen

Allerdings sorgte der Immobilienmagnat auch in den vergangenen Wochen wieder mit diversen umstrittenen Äußerungen für Unmut in den eigenen Reihen. Beispielsweise warf er einem Bundesrichter, der mit Klagen gegen eine früher von Trump betriebene Fortbildungseinrichtung befasst ist, vor, wegen dessen mexikanischer Herkunft voreingenommen zu sein. Auch Trumps nach dem Anschlag von Orlando signalisierte Bereitschaft, eine vorsichtige Einschränkung des Waffenrechts in Betracht zu ziehen, kommt in der Partei nicht gut an. Eine weitere Idee Trumps: Man solle doch das – in den USA als rassistisch eingestufte und verbotene – Racial Profiling einführen, um Muslime gezielt an der Einreise hindern zu können. Als Reaktion darauf zogen Großsponsoren wie Apple und JPMorgan ihre finanziellen Zusagen für den Parteitag in der zweiten Julihälfte zurück. Und auch die Umfragen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer vergangene Woche veröffentlichten Befragung haben sieben von zehn Wählern eine schlechte Meinung von Trump.

Zwar deutet die Entlassung des rüden Wahlkampfleiters Corey Lewandowski am Montag laut Kommentatoren darauf hin, dass Trump nun mit dem erfahreneren Paul Manafort neue, versöhnlichere Töne anschlagen will. Lewandowski soll mit Manafort im Dauerclinch gelegen haben, der erfahrene Stratege siegreich aus dem internen Machtkampf hervorgegangen sein.

Trotzdem rechnen sich innerparteiliche Gegner nach wie vor Chancen aus, Trumps Kandidatur zu verhindern. Wie die Zeitung Washington Post berichtete, will eine finanzstarke Gruppierung namens "Befreit die Delegierten" dazu die Parteitagsregeln ändern. Die Delegierten sollen in ihrem Votum nicht mehr an die Vorwahlergebnisse gebunden sein. Der Parteivorsitzende der Republikaner, Reince Priebus, hält eine solche Reform der Regeln für ausgeschlossen.

Attacke gegen Trump

Am Wochenende musste Donald Trump dann auch Erfahrung mit gegen ihn gerichtete Gewalt machen. Ein 19-jähriger Mann soll bei einem Wahlkampfauftritt am Samstag in Las Vegas versucht haben, einem Polizisten die Waffe zu entreißen, um damit den Politiker zu erschießen. Im Verhör mit der Polizei gab der Attentäter an, er sei eigens aus Kalifornien angereist, um Trump um ein Autogramm zu bitten und dann zuzuschlagen. Der Mann ist vorerst in Haft. (Manuela Honsig-Erlenburg, 21.6.2016)

  • Vier Wochen vor dem Nominierungsparteitag haben siebzig Prozent eine schlechte Meinung von Trump.
    foto: afp / thimothy a. clary

    Vier Wochen vor dem Nominierungsparteitag haben siebzig Prozent eine schlechte Meinung von Trump.

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