Alibaba jagt nach Red Bull und Co

22. Juni 2016, 09:00
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Der Onlineriese will chinesische Produkte in Europa salonfähig machen. Vor allem aber sucht man nach der in China so begehrten Markenware

Wien – Der größte chinesische Onlinehändler Alibaba setzt sich ehrgeizige Ziele. Bis zum Jahr 2020 will das Unternehmen den Gesamtwert der Geschäfte auf umgerechnet 806 Milliarden Euro verdoppeln, wie es jüngst auf einer Investorenkonferenz hieß. Schon jetzt ist das Handelsvolumen größer als das von den Konkurrenten eBay und Amazon zusammen. Bis zum Jahr 2036 kalkuliert Alibaba mit rund zwei Milliarden Kunden. Derzeit tummeln sich 423 Millionen aktive Käufer auf den Seiten.

Ein Markt, den anzusteuern sich auch für Europas Unternehmen lohnen würde, wie Europa-Chef Terry von Bibra im Gespräch mit dem STANDARD wirbt. Der Amerikaner mit deutschen Wurzeln leistet in Europa seit November Aufbauarbeit. In Wien referierte er auf Einladung des Handelsverbands zum Thema Future Commerce. Bibra bearbeitet von München aus mit einem kleinen Team neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch Osteuropa und die Türkei.

Jagd auf Marken

Genau genommen macht er Jagd auf starke Marken, denn solche sind in China gefragt. Dass ein Markteintritt nicht nur angesichts der schieren Größe kein Honigschlecken ist, räumt Bibra ein. "China ist ein komplizierter Markt. Wir sprechen derzeit vor allem mit großen Unternehmen."

Nicht nur die hohe Technikaffinität und Bereitschaft zum Kaufen via Smartphone unterscheidet Chinas Konsumenten von jenen in Europa, sagt Bibra. Auch die Produkte erfahren manch überraschende Bewertung. Während in Europa etwa ein Haarshampoo von Schwarzkopf nichts Besonderes sei, werde es in China als Premiumprodukt gesehen.

Angesichts der starken Nachfrage nach internationalen Marken in China ist zwischen den großen Playern dort ein regelrechter Wettlauf um den Zugang zu der begehrten Ware entbrannt. Ganz besonders gefragt sei "alles was für die Familie wichtig ist". Babynahrung, der gute alte Vitaminsaft, der mittlerweile als Nahrungsergänzungsmittel reüssiert, oder Kosmetikprodukte.

Aus Österreich hat man mit Produkten vom Kristallkonzern Swarovski aber modische Accessoires im Angebot. Auch an den Energy-Drinks von Red Bull zeigt sich Bibra interessiert. Ob das Interesse gegenseitig ist, darüber hält er sich bedeckt.

Kampf den Produktfälschungen

Dass ein nicht unerheblicher Teil der Firmenumsätze von Händlern erzielt wird, die ihr Geld mit Produktfälschungen verdienen, hält er "für ein Problem des globalen Handels an sich". Firmengründer Jack Ma hatte jüngst Öl ins Feuer gegossen, als er erklärte "dass Fakeprodukte heute von besserer Qualität und günstiger sind, als die Produkte der Originalhersteller". Ma habe wohl gemeint, dass die Produktqualität sehr viel besser werde, will Bibra die "aus dem Zusammenhang gerissene Aussage" zurechtgerückt wissen. Gemeinsam mit den Handelspartnern sei man sehr bemüht, das Problem mit Hilfe von Big Data bei den Wurzeln zu packen.

Der Konzern, der Chinas Onlinehandel dominiert, in Europa aber unter der Wahrnehmungsschwelle der Konsumenten ist, will aber auch chinesische Produkte in Europa forcieren. Noch ist die Seite AliExpress relativ unbekannt. Bibra glaubt aber fest daran, dass Handyhüllen und Dekorationsmaterial aus China – etwa für Hochzeiten – in Europa ihre Abnehmer finden. (Regina Bruckner, 22.6.2016)

  • Immer mehr der 1,3 Milliarden Menschen in China können es sich leisten zu konsumieren. Westliche Produkte genießen hohes Ansehen.
    foto: ap

    Immer mehr der 1,3 Milliarden Menschen in China können es sich leisten zu konsumieren. Westliche Produkte genießen hohes Ansehen.

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