Hightech rund um den Guggenheim-Tempel

23. Juni 2016, 16:32
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Im spanischen Baskenland setzt man seit dem Niedergang der Schwerindustrie auf Innovation

Wer vor dem Guggenheim-Museum in Bilbao im spanischen Baskenland steht, kann sich nicht wirklich vorstellen, dass das einmal eine wirklich trostlose Stadt war. In den 1970er- und 1980er-Jahren soll es hier grau in grau gewesen sein. Die Schwerindustrie lag mangels Aufträgen darnieder, die Terroranschläge der baskischen Separatistenorganisation ETA und schließlich auch eine verheerende Überschwemmung im Jahr 1983 setzten sowohl Stadt als auch Region zu.

Bilbao wurde ein Touristenmagnet – vor allem wegen des 1997 eröffneten Guggenheim-Museums von Frank Gehry. Heute ist das Gebäude eine Art Denkmal des Neubeginns. Das Baskenland selbst hat sich als Standort für die Autoindustrie etabliert und wurde zum zweitgrößten europäischen Produzenten nach Deutschland. Schließlich ist man durch die Ansiedelung von Hightech-Forschungsunternehmen zur innovativsten Region Spaniens geworden: Hier gibt es immerhin vier Universitäten, fünf höhere technische Fakultäten und 22 Hochschulen. Die autonome Region hat eine F&E-Quote von 2,09 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Spanien liegt im Vergleich dazu bei 1,24 Prozent (Österreich liegt bei drei Prozent).

Michael Spalek, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Spanien, betonte im Rahmen einer Studienreise der Austrian Cooperative Research (ACR) ins Baskenland, dass die Region deswegen auch bessere Beschäftigungsraten aufweist: Die Arbeitslosenrate liegt derzeit bei zwölf Prozent, Spanien hat im Vergleich dazu 22 Prozent.

Austrian Cooperative Research, der Verband mittelständischer Forschungsunternehmen in Österreich, veranstaltet einmal im Jahr eine Studienreise, um Kontakte für Kooperationen zu knüpfen. Dabei lässt man sich von ansässigen Forschungseinrichtungen zeigen, welche Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung verfolgt werden. Im Baskenland sind es neben der Automobilindustrie zwei große Forschungsverbände, die im Fokus der Reise standen. Tecnalia, das Schwerpunkte wie Industrie 4.0 und Smart Cities hat und dabei durchaus mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) vergleichbar ist, und die aus neun Technologiezentren bestehende Forschungsallianz IK4: Hier werden Schwerpunkte wie Umwelttechnik und Recycling genauso verfolgt wie Metallurgie. In drei Technologieparks haben sich 430 Hightech-Unternehmen angesiedelt: Besuchern wird ein selbstfahrender Bus vorgeführt, der möglicherweise bald in San Sebastián im Alltagsverkehr getestet wird.

Tecnalia und IK4 können sich über eine Basisfinanzierung von 17 Prozent durch die öffentliche Hand freuen, was Martin Leitl, Präsident der Austrian Cooperative Research, durchaus lange Zähne machte. Die Basisfinanzierung des ACR beträgt nämlich nur vier Prozent des Umsatzes. Das waren 2015 knapp 60 Millionen Euro. (Peter Illetschko aus Bilbao, 23.6.2016)


Die Reise fand auf Einladung von ACR statt.

  • Der Tourismus blüht. Die Kinder von Bilbao sagen: Jeff Koons' "Puppy", ein Hündchen aus 17.000 Blumen, ist der Hund der Stadt und das Haus dahinter (das Guggenheim-Museum) seine Hundehütte.
    foto: illetschko

    Der Tourismus blüht. Die Kinder von Bilbao sagen: Jeff Koons' "Puppy", ein Hündchen aus 17.000 Blumen, ist der Hund der Stadt und das Haus dahinter (das Guggenheim-Museum) seine Hundehütte.

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