Martin Harnik: "Meine Trikots landen an der Wand"

Interview22. Juni 2016, 11:36
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Der Nationalspieler über Tattoos, Radlerhosen und seine Trikotsammlung

STANDARD: Sie tragen im Nationalteam die Elf auf dem Rücken, was hat es mit der Nummer auf sich?

Harnik: Eigentlich trage ich am liebsten die Sieben, aber im Nationalteam beansprucht die Nummer ja schon mein Kollege Marko Arnautovic. Angefangen habe ich als junger Spieler mit geringen Ansprüchen mit der Nummer 20, als ich dann zum Stammspieler geworden bin, bekam ich die Elf, was ja immerhin bedeutet, zur ersten Garnitur zu gehören.

STANDARD: Mit wie vielen Trikots bestreiten Sie als Profi eine Saison?

Harnik: Ich absolviere 34 Bundesligaspiele, da kommt man schon auf rund 30 Stück in der Saison.

STANDARD: Tragen Sie lieber das weiter geschnittene oder das schmalere Nationaltrikot?

Harnik: Ich habe beide probiert, bin aber beim locker geschnittenen hängen geblieben. Das schmale rutscht teilweise sehr.

STANDARD: Heben Sie Trikots vergangener Spiele auf?

Harnik: Unbedingt. Das Oberteil, das ich während meines ersten Spiels für Stuttgart getragen habe, habe ich noch immer, auch das vom ersten Länderspiel.

foto: apa/robert jaeger
Tattoo-Buddies: Martin Harnik und Marko Arnautovic (links).

STANDARD: Haben Sie als Kind Fan-Trikots gekauft?

Harnik: Ja, ich war aber nie ein fanatischer Fan eines Vereins, mir ging es immer um die Optik.

STANDARD: Was halten Sie vom Trikottausch mit dem Gegner?

Harnik: Das mache ich gern, ein Trikot ist schließlich die schönste Erinnerung an ein Spiel.

STANDARD: Diese Erinnerungen heben Sie vermutlich auf.

Harnik: Na klar, ich besitze sicher 50 solcher Trikots, darunter eines von Thierry Henry aus Frankreich, eines von Arjen Robben von Real Madrid, eines von Miro Klose von Deutschland ist auch dabei.

STANDARD: Sie sind ja ein ordentlicher Sammler, wo heben Sie die Trikots denn alle auf?

Harnik: Im Moment sind sie eingelagert. Wenn ich weiß, dass ich mal irgendwo bleibe, bekommen sie einen besonderen Platz.

STANDARD: Wo wird das sein, ganz konventionell im Schrank?

Harnik: Ein paar werden sicherlich an der Wand landen.

STANDARD: Ist das nicht furchtbar geschmacklos?

Harnik: Das sind doch original getragene Trikots meiner Gegner, das ist die schönste Erinnerung, die man sich vorstellen kann – die kann man auch nicht kaufen, warum also nicht?

STANDARD: Wohnzimmer- oder Schlafzimmerwand?

Harnik: Da sicherlich nicht, da hat meine Frau ja auch ein Wörtchen mitzureden. Irgendwann werde ich einen kleinen Entertainment-Raum oder einen Keller für mich haben. Da wird sich dann schon ein Platz finden.

foto: apa/robert jaeger
Entspannt in Schlapfen: Martin Harnik (links) mit David Alaba vor Beginn des Trainings des ÖFB-Teams am 10. Juni in Mallemort.

STANDARD: Eine Zeit lang rissen sich die Spieler beim Torjubel die Trikots vom Leib. Was halten Sie davon?

Harnik: Das mache ich nicht, darf man aber mittlerweile auch nicht mehr. So etwas wird seit einiger Zeit mit der gelben Karte bestraft. Ich glaube, man kann das Trikot bis zum Kopf hochziehen, der Kopf darf dabei nicht verdeckt sein. Ganz genau kenne ich die Regeln aber auch nicht.

STANDARD: In den Siebzigern hatten die Spieler ja ziemlich knappe Hosen an, heute fallen die Hosen etwas weiter aus …

Harnik: Naja, jeder trägt sie so, wie er es gerne hat. Es gibt verschiedene Größen, mein Kollege Marko zum Beispiel trägt sie gern ganz locker. Ihm reicht sie sogar bis zum Knie.

STANDARD: Und untendrunter ziehen Sie Unterhosen und Radlerhosen von Ihrem Sponsor an?

Harnik: Es gibt auch Unterhosen von Puma, aber wir tragen eigentlich Radlerhosen, die bis kurz unter der Hose enden.

STANDARD: Viele Fußballspieler betätigen sich als Designer. Würden Sie gern selbst entwerfen?

Harnik: In Zusammenarbeit mit Puma könnte ich mir das vorstellen, aber eine eigene Marke interessiert mich nicht.

STANDARD: Ihre Tattoos bedecken Ihre Unterarme, haben Sie die extra auf Trikot-Länge gestochen?

Harnik: Die Tattoos habe ich sicher nicht für die Öffentlichkeit stechen lassen, und ihre Bedeutung, die bleibt privat.

STANDARD: Haben Sie manchmal genug von Jogginghosen und Fußballtrikots?

Harnik: Ich bin auch oft so wie heute in Jeans unterwegs, aber ja, ich freue mich immer, wenn ich einen schönen Anzug anziehen kann. (Anne Feldkamp, 22.6.2016)

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