Städtischer Stress macht Vögeln schwer zu schaffen

26. Juni 2016, 17:16
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Forscher untersuchten an Kohlmeisen, welchen Einfluss die Lebensumgebung auf die Zellalterung hat

Lund – Stadt- und Landleben haben unterschiedliche Vorzüge – und Nachteile. Das gilt auch für Kohlmeisen: Schwedische Forscher haben nun herausgefunden, dass urbane Kohlmeisen eine deutlich kürzere Lebenserwartung haben als ihre am Land lebenden Artgenossen. Wie die Biologen um Pablo Salmón im Fachblatt "Biology Letters" berichten, dürfte dieser Unterschied vor allen Dingen stressbedingt sein.

foto: lund university / p. salmón
Land- und Stadtmeise aus der Studie im Vergleich.

Denn die städtischen Vögel weisen im Vergleich deutlich kürzere Telomere auf. Als Telomere werden die aus repetitiven DNA-Sequenzen bestehenden Enden der Chromosomen bezeichnet. Je öfter sich Zellen teilen, desto kürzer werden diese Strukturelemente, was letztlich zu Schädigungen führen kann und mit der Zellalterung assoziiert wird.

Dass dabei neben der Genetik der Lebenswandel eine große Rolle spielt, ist bereits bekannt. Chronischer Stress etwa beschleunigt die Verkürzung der Telomere, ein gesunder Lebensstil kann sie verlängern. Salmón und Kollegen fanden nun heraus, dass bei Kohlmeisen vor allem die Umwelteinflüsse zum Tragen kommen. "Obwohl es Überlebensvorteile in den Städten gibt, etwa der üppige Zugang zu Nahrung, dürften für Kohlmeisen die Nachteile überwiegen – zumindest, was die Zellalterung betrifft", sagt Salmón.

Enormer Einfluss

Für ihre Studie untersuchten die Forscher mehrere Gruppen von Vogelgeschwistern. Ein Teil der Tiere war am Land geschlüpft und wuchs auch dort auf, einige ihrer Geschwister wurden hingegen in die schwedische Stadt Malmö verbracht. In der Stadt geborene Jungvögel wurden ebenso entweder in der Stadt oder am Land aufgezogen. Nach dreizehn Tagen entnahmen die Biologen Blutproben und untersuchten die Telomerlängen der roten Blutkörperchen – mit einem signifikanten Resultat.

Wie groß der Unterschied innerhalb dieser kurzen Zeit war, habe ihn dann doch überrascht, so Salmón: "Das Ergebnis zeigt, dass der Einfluss einer stressigen Umgebung enorm ist." Wo die Tiere geboren waren, spielte im Gegensatz zu ihrer späteren Umwelt keine Rolle.

Das zeige einmal mehr, dass dringender Forschungsbedarf zur Auswirkung der Urbanisierung auf die Tierwelt bestehe, so der Biologe. Zu klären sei auch, wie sich eine städtische Lebensumgebung auf andere Spezies auswirkt – Menschen mit eingeschlossen. (red, 26. 6. 2016)

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