Physikerin mit Sinn für Nachhaltigkeit

26. Juni 2016, 13:00
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Babette Hebenstreit forscht und lehrt Energietechnik an der FH Vorarlberg

Um sich für das Studium der Technischen Physik zu entscheiden, brauchte Babette Hebenstreit keine Bestärkung durch Frauenförderprogramme. Da reichte der positive Einfluss des Vaters in Kombination mit einer ausgeprägten mathematischen Begabung, die sie schon als Schülerin zur internationalen Mathematikolympiade nach Südkorea geführt hat. "Als Kind nahm mich mein Vater oft auf Baustellen mit, wo er als Bauphysiker im Bereich Lärmschutz und Akustik Lärmmessungen durchführte", erzählt die 34-Jährige. "Da durfte auch ich manchmal die Messgeräte halten und den Dezibelwert ablesen."

Die Lust herauszufinden, wie die Welt funktioniert, hat Babette Hebenstreit seitdem nicht mehr verlassen. Und weil sie daneben auch einen wachen Blick für die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt hat, kam sie über die Technische Physik schließlich zur Energieforschung. So arbeitete sie nach Studienabschluss zunächst am Austrian Institute of Technology (AIT) sowie am österreichischen Kompetenzzentrum für Bioenergieforschung Bioenergy 2020+ an neuen Möglichkeiten zur nachhaltigen Energiegewinnung.

Seit letztem Jahr unterrichtet Babette Hebenstreit Studierende des Masterstudiengangs Energietechnik und Energiewirtschaft an der FH Vorarlberg in Dornbirn. "Dass ich nun mit Menschen arbeite, genieße ich sehr – das hat mir vorher ein bisschen gefehlt", bekennt die Energieexpertin. "Außerdem kann ich weiterhin forschen, was ich großartig finde."

In ihrem aktuellen Projekt etwa entwickelt sie ausgeklügelte Einsatzpläne für Holzkraftwerke, um den nachhaltigen Energielieferanten Holz zum Ausgleich der schwankenden Strommengen aus Wind- oder Sonnenenergie besser nutzen zu können. "Grundsätzlich interessiert mich vor allem die Frage, wann welcher nachhaltige Energieträger am besten eingesetzt wird und wie die einzelnen Energiequellen optimal miteinander kombiniert werden können." Um das herauszufinden, müssen hochkomplexe mathematische Modelle entwickelt und optimiert werden. Diese praktische Anwendung der höheren Mathematik macht Babette Hebenstreit besonderen Spaß: "Ich bin ein Computerfreak, beim Programmieren vergesse ich leicht die Zeit."

Als Hochschullehrerin mit Forschungsauftrag hat sie die perfekte Aufgabenkombination für sich gefunden. Dass sie diese ausgerechnet ins "Ländle" gelockt hat, ist für Hebenstreit weder ein Wermutstropfen noch ein Zufall. "Da meine Lebensgefährtin aus Deutschland kommt, war Vorarlberg für uns der optimale räumliche Kompromiss." Und weil beide die Berge lieben, gerne wandern und auch ein bisschen klettern, war Dornbirn die Stadt der Wahl für das gemeinsame Leben.

Auch die Kultur komme hier nicht zu kurz, betont die geborene Wienerin, immerhin habe der Großraum diesbezüglich einiges zu bieten. Und wenn sich zwischen Computer, Berg und Kultur mal ein Zeitfenster auftut, ist da immer noch die Literatur. Am liebsten Science-Fiction mit spannenden gesellschaftspolitischen Zukunftsentwürfen. "Da haben die Schriftsteller einfach viel mehr Ideen als wir Forscher. Das meiste dessen, was Techniker in der Realität umsetzten, haben Autoren ja schon viel früher in ihren Romanen beschrieben." (Doris Griesser, 26.6.2016)

  • Babette Hebenstreit mag Science-Fiction wegen der Fantasie der Autoren.
    foto: mock

    Babette Hebenstreit mag Science-Fiction wegen der Fantasie der Autoren.

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