Landwirtschaftskammer-Chef: Nur weniger Milch hilft gegen Krise

21. Juni 2016, 14:24
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Generalsekretär August Astl übergibt an Josef Plank, offizieller Amtswechsel ab 1. August

Wien – Für den künftigen Generalsekretär der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, Josef Plank, hilft gegen die Milchpreiskrise kurzfristig nur eine EU-weite Reduktion der Milchmenge. Länder wie Irland, die Niederlande, Dänemark und Deutschland müssten auf die Bremse treten. "Mit günstigen Standorten werden wir uns nicht messen können", sagte Plank.

Bei den aktuell niedrigen Preisen würde sich aber auch die Milchproduktion in Großproduzentenländern nicht mehr rechnen. Die österreichischen Milchbauern müssten ihren Weg der Qualitäts- und Spezialproduktion wie Heu- und Biomilch weitergehen, um sich klar zu differenzieren. Langfristig werden die Bauernmilchpreise "nicht auf diesem Preisniveau" sein, erwartet Plank.

Offiziell am 1. August

Landwirtschaftskammer-Österreich-Generalsekretär August Astl wird am Dienstag die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Josef Plank feierlich übergeben. Offiziell folgt Plank ab 1. August auf Astl, der sich mit Ende Juli in den Ruhestand verabschiedet. Plank war bisher auch Präsident des Österreichischen Biomasseverbands und zwischen 1996 und 2000 Vorstandsvorsitzender der AMA. Anlässlich der Amtsübergabe findet heute ein Symposium der Landwirtschaftskammer unter dem Titel "Die Zukunft ist unser Auftrag" statt.

Als Hauptgrund für den kontinuierlichen Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich sieht Plank vor allem familiäre Gründe. Viele bäuerliche Kleinbetriebe würden aufgrund der steigenden Bürokratie und Administrationserfordernisse nicht mehr weitermachen wollen. Die aktuelle EU-Kommission hätte dieses Problem erkannt und versuche, in diesem Bereich etwas zu ändern.

Marktsituation eine Herausforderung

Als "größte Herausforderung" für die österreichischen Bauern ortet der neue Landwirtschaftskammer-Generalsekretär die Marktsituation in Europa. "Wir sind ein teures Land mit hohen Standards." In Österreich könne man höhere Preise lukrieren, aber im Export sei das meist schwierig.

Der scheidende Generalsekretär Astl sieht die "Verteidigung des Heimmarktes" seit dem EU-Beitritt im Jahr 1995 als Erfolg der Bauern. Als Schwäche bezeichnete er die "Markenbildung" der Lebensmittelverarbeiter im Vergleich zu den Eigenmarken des Lebensmittelhandels. Als die "einschneidendsten" Momente seiner Laufbahn bezeichnete Astl die Vorbereitungen auf den EU-Beitritt und die Rinderseuche BSE.

Best- statt Billigstbieter

Deutlichen Verbesserungsbedarf bei der Verwendung von österreichischen Lebensmitteln sehen Plank und Astl bei Großküchen in Spitälern, Altersheimen und Kantinen. Hier müsse bei der Beschaffung von Lebensmittel das Bestbieterprinzip und nicht das Billigstbieterprinzip angewendet werden. Den heimischen Wirten will die Landwirtschaftskammer keine gesetzliche Kennzeichnung der Lebensmittelherkunft vorschreiben, aber vermehrt auf eine freiwillige Herkunftsangabe drängen.

Käfigeier würden im Lebensmittelhandel nicht mehr verkauft, aber in der Gastronomie und in der Nahrungsmittelindustrie noch verwendet, kritisierten die Bauernvertreter. Seit dem Jahr 2009 ist die konventionelle Käfighaltung in Österreich verboten. Täglich werden aber eine Million Eier importiert, laut Landwirtschaftskammer handelt es sich zum großen Teil um Käfigeier.

Klimawandel und Energiezukunft

Das heutige Symposium vor der feierlichen Amtsübergabe schaue in die landwirtschaftliche Zukunft, so Plank. "Meine Botschaft in dem Zusammenhang ist, der Einzelne allein im großen Wettbewerb ist gut beraten, sich zusammenzuschließen und zu organisieren." Dies sei auch eine wichtige Aufgabe der Landwirtschaftskammern. Man wolle sich organisatorisch noch stärker aufstellen. "Wir müssen überregional denken."

Besonders große Herausforderungen seien auch der Klimawandel und die Energiezukunft. Zum Energiethema kritisierte Plank, dass man als Österreich zwar "Paris unterschreibt und anderseits genau das Gegenteil tut, wenn es darum geht, die Paris-Ziele umzusetzen".

Weitere "klare Botschaft" Planks: Es wird weiterhin Leistungen geben, die die heimische Landwirtschaft nie direkt zurückverdienen kann – Beispiel: die Bewirtschaftung von Steilhängen in den alpinen Gebieten. "Diese Leistungen werden wir vom Markt nicht bezahlt bekommen, aber sie werden bezahlt werden müssen." Wenn manche glaubten, man könne sich agrarisch nur nach dem Markt orientieren, dann sei dies nur in Teilen Österreichs möglich. Hier brauche es Ausgleiche, also auch Ausgleichszahlungen. (APA, 21.6.2016)

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