Portugals Knopf soll gegen Ungarn aufgehen

21. Juni 2016, 13:08
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Die Elf um Cristiano Ronaldo beeindruckt mit statistischen Werten, allein: Der Ball will nicht ins Goal. Ungarn zieht mit breiter Brust Richtung Achtelfinale

Lyon – Das Überraschungsteam aus Ungarn hat Lunte gerochen. Am Mittwochabend (18.00 Uhr, Liveticker auf derStandard.at) in Lyon rechnet man sich folglich auch gegen Portugal etwas aus. "Wir sind nicht hierhergekommen, um Urlaub zu machen, sondern um zu zeigen, dass wir es verdient haben, dabei zu sein", sagte Abwehrspieler Roland Juhasz. Nach dem 2:0 gegen Österreich und dem 1:1 gegen Island habe man Platz eins in Gruppe F im Visier. Der Einzug ins Achtelfinale könnte bei entsprechendem Ausgang der Dienstagpartien schon vor dem Anpfiff feststehen.

Die Portugiesen, die nach dem 1:1 gegen Island und dem torlosen Remis gegen Österreich nur zwei Zähler auf dem Konto haben, müssen dagegen unbedingt gewinnen. "Deshalb werden sie viel Druck machen, aber wir werden bereit sein", kündigte Sturmtank Danile Böde vom ungarischen Double-Gewinner Ferencvaros Budapest an.

Stimmung intakt

Trotz der kritischen Ausgangslage ist Portugals Team nach wie vor felsenfest vom Weiterkommen überzeugt. "Es ist unsere Pflicht, die Gruppenphase zu überstehen", fasst Mittelfeldspieler Adrien Silva von Sporting Lissabon die Lage zusammen. "Dieses Turnier ist kein Spaziergang für uns, aber die Stimmung im Team ist immer noch intakt. Wir geben alles, spielen uns viele Chancen heraus, und deshalb glaube ich auch, dass sich die Dinge für uns noch ändern werden."

Kein anderes Team hat bei dieser EM in den ersten beiden Spielen so oft den Abschluss gesucht wie Portugal. Insgesamt 50 Versuche weist die UEFA-Statistik aus. 17 davon fanden den Weg aufs Tor, hinein aber nur einer. Effizienz schaut anders aus. Auch 62 Prozent Ballbesitz sind hinter Weltmeister Deutschland der bisher zweitbeste EM-Wert.

"Unser einziges Problem ist, dass der Ball nicht reingeht. Ich würde mir mehr Sorgen machen, würden wir keine Chancen kreieren", so Ersatzmann Silva, der so wie seine Kollegen glaubt, dass sich "die Dinge nun ändern werden".

"Wir haben bisher gut gespielt. Unsere Zeit wird kommen, und zwar im nächsten Spiel. Da wird uns das Glück dann hold sein und unsere Schüsse werden im Tor landen", meinte Ronaldos Sturmparter Nani. Mit einem Erfolg gegen Ungarn wäre Gruppensieg für Portugal nicht unwahrscheinlich.

Kein Genierer mehr

Trainer Fernando Santos meinte indes, dass vielleicht manchmal ein anderer Ansatz nötig sei, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. "Mitunter habe ich das Gefühl, dass wir uns schämen, wenn wir nicht schön, sondern hässlich spielen. Doch wenn wir hässlich spielen müssen, um am Ende Erfolg zu haben, dann müssen wir eben unser hässliches Gesicht auf dem Platz zeigen. Ich bin von Natur aus hässlich und habe kein Problem damit, noch hässlicher zu sein", gab der 61-Jährige mit einem Augenzwinkern zu Protokoll. (APA, red, 21.6. 2016)

Mögliche Aufstellungen, Gruppe F, 3. Runde:

Ungarn – Portugal (18.00 Uhr, Stade de Lyon, SR Atkinson/ENG)

Ungarn: 1 Kiraly – 2 Lang, 20 Guzmics, 23 Juhasz, 4 Kadar – 10 Gera, 8 Nagy – 7 Dzsudzsak, 15 Kleinheisler, 18 Stieber – 9 Szalai

Ersatz: 12 Dibusz, 22 Gulacsi – 3 Korhut, 21 Bese, 6 Elek, 14 Lovrencsics, 16 Pinter, 11 Nemeth, 13 Böde, 17 Nikolics, 19 Priskin

Es fehlt: 5 Fiola (Bändereinriss im Sprunggelenk)

Portugal: 1 Rui Patricio – 11 Vieirinha, 3 Pepe, 6 R. Carvalho, 5 Guerreiro/19 Eliseu – 8 Joao Moutinho, 14 William Carvalho, 15 Andre Gomes/10 J. Mario – 20 Quaresma, 17 Nani, 7 Ronaldo

Ersatz: 12 Lopes, 22 Eduardo – 2 B. Alves, 4 Fonte, 21 Cedric Soares, 13 Danilo, 16 R. Sanches, 18 Rafa Silva, 23 Adrien Silva, 9 Eder

Fraglich: 5 Guerreiro, 15 Andre Gomes (beide angeschlagen)

  • Das Stimmungsbarometer im portugiesischen Lager gibt offenbar nicht zu Besorgnis Anlass.
    foto: afp/leong

    Das Stimmungsbarometer im portugiesischen Lager gibt offenbar nicht zu Besorgnis Anlass.

  • Mut zur Hässlichkeit: Teamchef Fernando Santos.
    foto: apf/leong

    Mut zur Hässlichkeit: Teamchef Fernando Santos.

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