Forschungsrat: Österreich bis 2020 kein führendes Innovationsland

21. Juni 2016, 12:27
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Androsch: Haben Effizienz-, Exzellenz- und Fokussierungsproblem – Nationalstiftung könnte Nachschlag in Höhe von 50 Millionen Euro erhalten

Wien – Österreich wird bis 2020 kein führendes Innovationsland. Zu diesem Schluss kommt der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) in seinem "Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2016". Die Regierung hatte sich in ihrer 2011 verabschiedeten Forschungsstrategie das Ziel gesetzt, zu den "Innovation Leadern" wie Schweiz oder Schweden aufzuschließen.

Forschungsratschef Hannes Androsch bezeichnete am Dienstag bei der Präsentation des Berichts das Ergebnis als "durchwachsen". Auch wenn die derzeitige Forschungsquote von knapp über drei Prozent "beachtlich" sei, "können mit dem Tempo und der Dichte der Umsetzung der Strategie deren Ziele mit Sicherheit nicht erreicht werden", so Androsch. Das Tempo der Innovationsdynamik sei auch einer der Gründe für die schleppende wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Mehr Mittel nötig

Das Problem sei auch, dass der hohen Forschungsquote kein entsprechender Output folge. "Wir haben ein Effizienz-, Exzellenz- und Fokussierungsproblem." Für verschiedene Bereiche wären mehr Mittel erforderlich. So bezeichnete es der stellvertretende RFT-Vorsitzende, Markus Hengstschläger, als "besonders bedauerlich", dass die kompetitiv vergebenen Mittel für Grundlagenforschung unterdurchschnittlich dotiert seien. Konkret für den Wissenschaftsfonds FWF fordert der Rat daher jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich zu dem derzeitigen Jahresbudget von rund 180 Millionen Euro.

Als weiteres Beispiel für eine ungenügende Dotierung nannte Androsch die aus Zinserträgen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) sowie des ERP-Fonds gespeiste Nationalstiftung für Forschung. Nachdem diese heuer nur 18 Millionen Euro ausschüttet, wird bereits mit 33,7 Millionen Euro aus dem "Österreich-Fonds" nachgebessert, der aus Einnahmen durch den neuen 55-Prozent-Steuersatz für Einkommensanteile über eine Million Euro dotiert wird. Und Androsch geht davon aus, dass es einen weiteren Nachschlag der Regierung für die Nationalstiftung in Höhe von 50 Millionen Euro geben wird, nachdem der Notenbankgewinn höher als erwartet ausfällt. In Summe könnte die Nationalstiftung damit heuer 100 Millionen Euro ausschütten, was Androsch als "wichtiges Signal" anerkennt.

Zersplitterte Forschungslandschaft

Der Forschungsrat ortet aber nicht nur quantitativen, sondern auch qualitativen Handlungsbedarf: "Wir leiden noch immer unter Zersplitterung und mangelnder Fokussierung", so Androsch. Als Beispiel nahm er Bezug auf einen Rechnungshofbericht über das heimische Forschungsförderungssystem, der in Kürze erscheinen soll und dessen Ergebnisse in der Forschungsgemeinschaft schon für Diskussion sorgen. Laut Androsch soll darin etwa angeprangert werden, dass es in Österreich 68 verschiedene Forschungsförderstellen von Bund und Ländern gibt.

Hengstschläger betonte, dass die Regierung all diese Dinge wisse: "Wir senden keine Nachricht, die neu ist. Es verwundert uns aber, dass notwendige Maßnahmen wir eine große Bildungsreform oder eine Entschlackung der Ansprechstellen für Forschungsfinanzierung nicht angegangen werden."

Dass Österreich in verschiedenen Rankings als Innovationsstandort seit einigen Jahren sukzessive zurückfällt, ist für RFT-Geschäftsführer Ludovit Garzik nicht dadurch verursacht, dass das Land schlechter werde. "Der Grund ist, dass die anderen Staaten schneller besser werden und jedes Jahr das eine oder andere Land an uns vorbeizieht." Auch wenn man die Strategieziele bis 2020 nicht mehr erreichen werde, könne man die Weichen in diese Richtung stellen. (APA, 21.6.2016)

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    foto: reuters / heinz-peter bader
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