Trump: Wahlkampfmanagement am Frühstückstisch

Kommentar21. Juni 2016, 14:16
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Trump soll in seinen Entscheidungen großen Wert auf die Meinung seiner Kinder legen – am meisten vertraut er letztlich aber sich selbst

"It's been an honor and privilege to be part of this": Obwohl Donald Trumps Wahlkampfmanager Corey Lewandowski gerade seinen Job verloren hat, steht er immer noch hinter seinem Ex-Chef. "You're fired", hatte Trump kurz zuvor verkündet. Bis zuletzt hat auch er seinem Wahlkampfmanager die Treue gehalten. Schließlich ging als Gewinner des internen Machtkampfs in der Trump-Beraterriege aber doch Paul Manafort hervor.

Lewandowski, der für rüde und rechte Tea-Party-Attitüden steht, muss also für den direkten US-Wahlkampf seinen Posten für jemanden räumen, der moderatere Töne anstimmen soll. Vorwahlkampf war republikanische Kampfzone (sogar mit konkreten Handgreiflichkeiten seitens Lewandowskis), im Wahlkampf gilt es nun, von den extremen Positionen verprellte republikanischen Wähler zurückzuholen und eventuell sogar im demokratischen Pool zu fischen. Sinkende Umfragewerte taten ihr Übriges. So weit die Deutung der meisten Kommentatoren. Klingt nach gut durchdachter Strategie.

Wird es wohl auch gewesen sein. Den maßgeblichen Ausschlag für die Kündigung sollen aber – glaubt man Stimmen aus dem Trump-Umfeld – die Kinder des Milliardärs gegeben haben. Denn Trump hat vor allem eine Überzeugung, und die heißt "family first". Seine Kinder sieht er als Produkte des Familienunternehmens Marke Trump. Alle arbeiten an maßgeblichen Positionen im Imperium, alle reden mit. Wahlkampfmanagement am Frühstückstisch sozusagen.

Vor allem die älteste Tochter Ivanka soll Entscheidungen des Vaters beeinflussen. Trump-Biograf und Pulitzerpreisträger Michael D'Antonio nennt die 34-jährige Ökonomin, die sich selbst als "unpolitische Person" bezeichnet, sogar als seine wichtigste Beraterin: "Einfluss auf ihn haben vor allem die, die er dazu trainiert hat, seine eigenen Ideen zu verfolgen", so D'Antonio. Ivanka dient auch als Korrektiv. Wenn Trump als Frauenverachter bezeichnet wird, zitiert er seine Tochter und deren hohen Meinung von ihm als Frauenversteher. Ivanka soll auch diejenige sein, die die Richtung vorgibt, wenn Trump zurückrudern muss, etwa bei Aussagen gegen Muslime oder wenn er Mexikaner als Vergewaltiger bezeichnet. Eine moderate, politisch korrekte Trump-Stimme.

Ob es eine gute Idee ist, seine eigenen Kinder als Wahlkampfberater zu engagieren, vor allem in Hinblick auf ihre Rolle als Erbberechtigte, sei dahingestellt. Lewandowskis Kündigung könnte aber ein Zeichen dafür sein, dass die moderate Seite der vielköpfigen Trump-Unternehmung die Oberhand gewinnt. Dass darin tatsächlich eine konkrete Strategie für den Zweikampf mit Hillary Clinton steckt, ist aber nicht ausgemacht.

Schließlich hat Trumps Familienprojekt auch ein weiteres Gesetz: In letzter Konsequenz ist immer noch "The Donald" Chef des Ganzen. Und die Strategie, mit der "The Donald" bisher gut gefahren ist – und mit der er 16 andere republikanische Kandidaten hinter sich ließ –, ist nun einmal die des politisch unkorrekten, rüpelhaften Unbequemen, der die Finger auf die Wunden legt. Mit dieser Methode konnte er auch einen Anti-Establishment-Eindruck machen, obwohl er eigentlich die rücksichtslose wirtschaftliche Elite der USA repräsentiert. Sollte der moderatere Ton seine Umfragewerte noch stärker sacken lassen, kann es schnell passieren, dass ein Corey Lewandowski wieder "hired" ist. Denn wenn es ums Ganze geht, glaubt Trump vor allem an sich selbst. (Manuela Honsig-Erlenburg, 21.6.2106)

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