Taylor Swift und Co legen sich mit Youtube an

21. Juni 2016, 10:08
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Petition für strengeres Copyright – "Während die Technologiefirmen Profite einfahren, schrumpfen Einnahmen der Künstler"

Googles Videoplattform Youtube sieht sich weiter im Clinch mit Musiklabels. Die Industrie wünscht sich strengere Regeln hinsichtlich des Copyrightschutzes auf dem Portal. Nun sind den Labels auch 180 Künstlern beigesprungen – darunter Popstar Taylor Swift, Alt-Beatle Paul McCartney und die Kings of Leon.

Als Basis für die Umsetzung von Copyright auf Youtube gilt der Digital Millenium Copyright Act (DMCA), der 1998 beschlossen wurde. Er schützt derlei Dienste vor gerichtlicher Verfolgung und Schadensersatzforderungen, solange sie Aufforderungen von Rechteinhabern nachkommen, die die Entfernung von urheberverletzendem Material begehren.

Seltene Einigkeit

Ein Umstand, welcher den Labels nach langer Kooperation nunmehr ein Dorn im Auge ist, berichtet Billboard. Anbieter wie Spotify, die stark auf bezahlte Streaming-Abonnements setzen, hätten diesen Verhandlungsvorteil nicht. Youtube würde hier Wert abschöpfen, beklagt die RIAA, der Interessensverband der amerikanischen Musikindustrie.

Das US Copyright Office führt derzeit eine Studie bezüglich der aktuellen DMCA-Regelung durch, und im Repräsentantenhaus wird das Urheberrecht evaluiert. Das hat den DMCA für die Musikindustrie, die laut Billboard selten so geeint auftritt, zur obersten Priorität gemacht. Einige Labels verhandeln auch gerade mit Youtube über weitere Zusammenarbeit.

RIAA: Kostenlose Videos verhindern Bezahlabos

In Werbeeinschaltungen moniert die Industrie, dass "große Techfirmen wachsen und riesige Profite einfahren", weil sie es den Nutzern ermöglichen, praktisch jeden je aufgenommenen Song am Smartphone abzurufen, "während die Einnahmen der Songwriter und Künstler weiter schrumpfen."

Man vertritt die Meinung, die kostenlose Verfügbarkeit von Musikvideos auf Youtube würde Kunden davon abhalten, bei anderen Diensten bezahlte Abos abzuschließen, die den Musikern höhere Erträge bescheren. Gefordert wird dementsprechend eine Reform, mit der "die Interessen ausbalanciert" werden sollen.

Youtube verweist auf Content ID

Bei Youtube sieht man sich nicht im Vorteil aufgrund der DMCA-Regelungen. Man betont, dass man über das eigene Content ID-System – Youtube kann bei vielen Videos automatisch erkennen, ob und welche rechtlich geschützte nInhalte verwendet werden – einen geeigneten Schutzmechanismus anbiete, zumal 99,5 Prozent aller Löschersuche mithilfe von Content ID abgewickelt werden.

Dazu habe man bisher schon mehr als drei Milliarden Dollar an Werbebeteiligungen an die Musikindustrie ausgeschüttet. Ein großer Teil dieser Umsätze würde ohnehin durch Gelegenheitshörer generiert, die sich nie für einen Bezahldienst anmelden würden.

Der Youtube-Veteran Hank Green springt der Videoplattform bei. Content ID würde gut funktionieren, sagt er. Sollen bestimmte Inhalte dort nicht auftauchen, müsse man sie nur in die Content ID-Datenbank einspeisen und eine Blankosperre fordern. Dazu würde Youtube mit seinem eigenen Bezahldienst, Youtube Red, nochmals deutlich höhere Tantiemen auszahlen. Und viele Einnahmen, die etwa durch zahlreiche Fanvideos entstehen, würde es ohne die Plattform gar nicht geben. (gpi, 21.06.2016)

  • 180 Künstler und viele Labels fordern strengere Copyright-Regeln für Seiten wie Youtube.
    foto: afp/adrian sanchez-gonzalez

    180 Künstler und viele Labels fordern strengere Copyright-Regeln für Seiten wie Youtube.

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