Bombendrohung in Brüssel: Verdächtiges Objekt war Attrappe

21. Juni 2016, 09:43
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Verdächtiger drohte mit Zündung einer Sprengweste. Diese soll allerdings nicht echt gewesen sein

Brüssel – Wenige Tage nach Großrazzien gegen mutmaßliche Terroristen hat es in Brüssel am Dienstagvormittag Großalarm wegen Terrorverdachts gegeben. Das Einkaufszentrum "City 2" am Rande des Stadtzentrums wurde in der Früh evakuiert, die nahegelegene Hauptstraße vorübergehend gesperrt. Die Staatsanwaltschaft betätigte die Festnahme eines Verdächtigen.

Der Mann habe möglicherweise Sprengstoff bei sich gehabt, hieß es. Nach Untersuchung eines verdächtigen Gegenstandes stellte sich allerdings heraus, dass es sich nur um eine mit Salz gefüllte Bombenattrappe gehandelt habe, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Absperrungen rund um das Einkaufszentrum "City 2" wurden am Vormittag wieder abgebaut, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Die Zeitung "La Libre Belgique" berichtete online, der 26-jährige Mann habe selbst gegen 5.30 Uhr die Polizei angerufen und mit der Zündung einer Sprengweste gedroht.

Belgiens Premier Charles Michel rief den nationalen Sicherheitsrat zu einer Besprechung. Dieser beließ den Terroralarm für das Land aber auf Stufe 3, der zweithöchsten Alarmstufe. Michel sagte nach der Zusammenkunft, die Situation sei "im Moment unter Kontrolle". Man müsse aber "extrem wachsam bleiben". Die Situation im Einkaufszentrum wollte er vorerst nicht konkret kommentieren. Für den Vormittag wurde eine Pressekonferenz anberaumt.

Zu Meldungen der Zeitung "La Dernière Heure", wonach in einem anderen Stadtteil ein weiterer Verdächtiger in einem Auto verhaftet worden sei, gab es vorerst ebenfalls keine offizielle Bestätigung.

Hohe Nervosität bei Sicherheitsbehörden

Brüssel steht seit Monaten im Zentrum des europäischen Kampfes gegen Anschläge der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Die Angriffe vom November 2015 in Paris mit 130 Toten waren maßgeblich in der belgischen Hauptstadt geplant worden.

Im März sprengten sich am Flughafen Zaventem und in der Brüsseler U-Bahn mehrere Terroristen in die Luft. Sie töteten 30 Menschen. Wegen der laufenden Fußballeuropameisterschaft in Frankreich sind die Behörden derzeit besonders angespannt. Zuletzt hatte der Geheimdienst gewarnt, eine neue Gruppe von Attentätern könnte Anschläge in Belgien und Frankreich planen. Dabei wurden auch konkret Einkaufszentren als mögliche Ziele genannt. In den vergangenen Tagen hat die Polizei bei Razzien mehrere Menschen verhaftet. Laut Angaben aus Sicherheitskreisen wurde damit ein möglicherweise geplanter Anschlag auf eine Public-Viewing-Zone für das EM-Spiel Belgien gegen Nordirland am vergangenen Samstag verhindert. (red, mesc, 21.6.2016)

  • Die Nieuwstraat vor dem Einkaufszentrum "City 2" wurde gesperrt.
    foto: afp / belga / serge knappen

    Die Nieuwstraat vor dem Einkaufszentrum "City 2" wurde gesperrt.

  • Artikelbild
    foto: afp / belga / nicolas maeterlinc
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