Labour-Chef Corbyn: "Bin kein Liebhaber der EU"

20. Juni 2016, 22:58
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Politiker warb dennoch für Verbleib

London – Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn hat am Montag die EU kritisiert, zugleich aber klar für einen Verbleib geworben. "Ich bin kein Liebhaber der Europäischen Union", sagte Corbyn am Abend in einer Live-TV-Sendung vor jungen Studio-Gästen. "Wenn wir in der EU bleiben, muss sie sich dramatisch ändern", erklärte er. "Sie muss viel demokratischer werden, viel mehr Rechenschaft ablegen."

Trotzdem wolle er, dass Großbritannien in der EU bleibe, sagte der Labour-Politiker weiter. Corbyn war während des Wahlkampfes vorgeworfen worden, er habe sich nicht ausreichend für die Sache der Brexit-Gegner eingesetzt. Zu selten habe man ihn auf Wahlkampfveranstaltungen gesehen – und nie zusammen mit Premierminister David Cameron. Kritiker meinten gar, der Labour-Chef täusche seine Unterstützung für einen Verbleib in der EU nur vor, hoffe aber in Wirklichkeit auf einen Brexit.

Bei seinem Fernsehauftritt sagte Corbyn kein Wort dazu, ob Großbritannien innerhalb oder außerhalb der EU "besser wegkomme", wie es andere Politiker beider Lager wieder und wieder getan hatten. Stattdessen betonte er: "Wir müssen unseren Wohlstand teilen und die Lebensverhältnisse und Arbeitsverhältnisse auf dem ganzen Kontinent verbessern."

Wie man die Zuwanderung aus der EU begrenzen könne, wollte ein Zuschauer wissen. Corbyn entgegnete: Wer die Arbeitnehmerfreizügigkeit abschaffen wolle, begreife nicht, worum es im europäischen Binnenmarkt gehe. In der Flüchtlingskrise attestierte der Labour-Chef der EU großes Versagen. Nur Deutschland habe sich richtig verhalten. Man könne Probleme wie den Klimawandel und die Flüchtlingskrise nicht als einzelner Staat angehen. Nur gemeinsam könne man Lösungen finden, so Corbyn.

Das Publikum hatte der Sender Sky News ausschließlich mit unter 35-Jährigen besetzt. Junge Wähler gelten als EU-freundlich, gehen aber nicht häufig zur Wahl. Ob Corbyn mit dem TV-Auftritt ausreichend Labour-Anhänger überzeugen konnte, bleibt abzuwarten. Die Umfragen sagen für das Referendum am 23. Juni ein denkbar knappes Ergebnis voraus. (APA, 20.6.2016)

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