Der tödlichste aller Zungenküsse

20. Juni 2016, 18:46
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Das Jagdverhalten der Chamäleons ist effizient – nicht nur dank der langen und schnellen Zunge: Ihre Spucke ist 400-mal zäher als die von Menschen

Mons/Wie – Chamäleons gehören zu den erstaunlichsten Tieren des Planeten. Am auffälligsten ist ihre Fähigkeit zum Farbenwechsel, der durch spezielle Nanostrukturen möglich wird und auch zur innerartlichen Kommunikation dient. Sehr besonders sind auch die Augen, die ein Blickfeld von 342 Grad haben.

Einzigartig ist nicht zuletzt ihre Zunge, die das Eineinhalbfache der Körperlänge messen kann und ziemlich flott aus dem Maul geschleudert wird. Das Stachel-Zwergchamäleon etwa beschleunigt seine Zunge innerhalb einer Hundertstelsekunde auf fast 100 Kilometer pro Stunde. Nach zwei Hundertstelsekunden ist die Attacke wieder vorbei, ein Entrinnen des Opfers eher unwahrscheinlich.

Das liegt auch daran, dass der Speichel des Chamäleons extrem klebrig ist und ungefähr 400-mal zäher als menschliche Spucke. Das berichten Wissenschafter um Pascal Damman von der belgischen Universität Mons im Fachblatt "Nature Physics".

Auf den (Sch)Leim gegangen

Für ihre Studie haben die Wissenschafter zunächst Chamäleonspeichel gesammelt, indem sie Glasplättchen vor das vom Reptil mit einem Zungenschuss angepeilte Objekt schoben. Um die besondere Qualität der eingesammelten Spucke zu testen, ließen sie im Anschluss daran kleine Metallkugeln über das angespeichelte und schräg gestellte Plättchen rollen. Die Viskosität, also die Zähflüssigkeit des Schleims, bestimmt, wie stark die Kugeln haften bleiben.

Tatsächlich erwies sich die Chamäleonspucke als extrem klebrig, die Opfer der Chamäleons gehen diesem buchstäblich auf den (Sch)leim. Dazu kommt, dass die Chamäleons ihre Zunge beim Fangvorgang kelchartig verbreitern, um die Klebefläche zu vergrößern. Dies erkläre, warum Chamäleons selbst Beute mit nahezu einem Drittel ihres eigenen Gewichts zu überwältigen vermögen, so die Wissenschafter.

Damit gaben sie sich aber noch nicht zufrieden, sondern ermittelten in Modellrechnungen, wie groß die Beute von Chamäleons theoretisch sein kann, damit sie noch mit der Klebekraft der Zunge gefangen und eingeholt werden kann. Ihre Ergebnisse verglichen Pascal Damman und Kollegen mit Erkenntnissen über den Mageninhalt bei Chamäleons verschiedener Arten. Das Fazit der Forscher: Wenn es nur nach der Klebrigkeit des Schleims ginge, könnten Chamäleons noch weitaus größere Tiere mit ihrer Zunge fangen, als sie es tatsächlich tun. (red, 20.6.2016)

  • Ein Dreihorn-Chamäleon landet einen Volltreffer. Für das Opfer gibt es auch wegen des Speichels kein Entrinnen.
    foto: reuters

    Ein Dreihorn-Chamäleon landet einen Volltreffer. Für das Opfer gibt es auch wegen des Speichels kein Entrinnen.

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