Ermittlungen im Mordfall Nemzow vorerst abgeschlossen

20. Juni 2016, 18:07
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Ermittlungskomitee legt Bericht vor – Hintergründe bleiben undurchsichtig

Moskau – Rund eineinhalb Jahre nach dem Mord an dem Oppositionellen Boris Nemzow haben die russischen Behörden ihre Ermittlungen vorerst abgeschlossen – die Hintergründe der Tat bleiben jedoch weiter im Dunkeln.

Das einflussreiche Ermittlungskomitee erklärte am Montag, der Mord an dem 55-jährigen Nemzow sei von einem untergeordneten tschetschenischen Vertreter und anderen "nicht identifizierten" Verdächtigen in Auftrag gegeben worden. Fünf Tatverdächtige sitzen bereits in Untersuchungshaft.

"Die Untersuchung des Kriminalfalls ist abgeschlossen", heißt es in der Erklärung. Bei den Inhaftierten handelt es sich um Saur Dadajew, Schadid und Ansor Gubaschew, Bemirlan Eskerchanow und Chamsat Bachajew. Laut den Ermittlungsergebnissen wurden sie im Spätsommer 2014 kontaktiert, für die Tat sei ihnen umgerechnet 208.000 Euro geboten worden. Auftraggeber seien "Ruslan Muchudinow und andere Individuen" gewesen. Gegen diese "unidentifizierten Personen" werde weiterermittelt, hieß es.

Nemzow war am 27. Februar 2015 auf offener Straße ermordet worden, als er mit seiner Freundin über eine Brücke in Sichtweite des Kreml ging. Der ehemalige Vizeministerpräsident unter Präsident Boris Jelzin war mit seiner Oppositionsbewegung Parnas einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin. Putin hatte eine umfassende Aufklärung des Mordes angekündigt. Die fünf Tschetschenen wurden wegen Mordes angeklagt und warten derzeit auf ihren Prozess.

Die Verdächtigen bestreiten, den Mord begangen zu haben, und behaupten, die Tat unter Folter gestanden zu haben. Ende Dezember vergangenen Jahres erklärten die russischen Behörden, sie suchten nach einem aus Tschetschenien stammenden Russen, der einer der Geldgeber und Organisatoren des Verbrechens gewesen sei – dabei soll es sich um den besagten Muchudinow handeln.

Nemzows Angehörige und Unterstützer vermuten, dass der Mord von höchster Stelle geplant worden war, und verlangen, dass die Auftraggeber vor Gericht gestellt werden. Sie gehen davon aus, dass der moskautreue Tschetschenenpräsident Ramsan Kadyrow und der Kreml selbst hinter der Tat stecken. (APA, 20.6.2016)

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