Italienischer Exminister Passera soll Unicredit-Chef werden

20. Juni 2016, 17:40
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Corrado Passera war schon Industrieminister in der Regierung Monti und Chef der Banca Intesa Sanpaolo. Nun soll der 61-Jährige CEO der Unicredit werden und Federico Ghizzoni ablösen

Mailand – Corrado Passera war schon Industrieminister in der Regierung Monti und Chef der Banca Intesa Sanpaolo. Nun soll der 61-Jährige CEO der Bank-Austria-Mutter Unicredit werden und Federico Ghizzoni ablösen.

Finanzminister Pier Carlo Padoan hat noch am Wochenende gemahnt, dass die Bank-Austria-Mutter Unicredit so schnell wie möglich einen Nachfolger für den zurückgetretenen Generaldirektor Federico Ghizzoni ernennen soll. Nun scheint der Nachfolger in der Person des ehemaligen Chefs der Banca Intesa Sanpaolo, Corrado Passera, gefunden worden zu sein.

Bei Unicredit heißt es, dass derzeit mehrere Kandidaten im Rennen liegen und noch kein Nachfolger offiziell ernannt worden sei. Passera sei einer der Kandidaten. Angeblich soll Passera, der während der Regierung Monti (2011 bis 2013) auch Industrieminister war, am Freitag ernannt werden. Dies berichtet auch die gut informierte Zeitung Il Fatto Quotidiano. Finanzkreise in Mailand rechnen mit einer früheren Ernennung.

Seit Ghizzoni vor drei Wochen seinen Rücktritt bekannt gab, sucht die größte italienische Bank einen neuen Chef. Die beiden UBS-Banker Andrea Orcel und Sergio Ermotti galten wie Mediobanca-Chef Alberto Nagel oder Banca-Imi-Präsident Gaetano Miccichè als aussichtsreiche Kandidaten. Sie alle sollen abgewunken haben.

Kursverluste

Der Unicredit-Verwaltungsrat wollte erst Ende Juli entscheiden. Der Politik und dem Markt dauert das aber zu lang. Die Unicredit-Kurse verloren seit dem Rücktritt Ghizzonis bis zu 25 Prozent. Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan drängt auf eine schnelle Entscheidung, Unsicherheit sorge für ein "Element der Schwäche".

Der 61-jährige Bankmanager Passera versteht sein Geschäft. Als ehemaliger MacKinsey-Berater wurde er 1998 beauftragt, die Poste Italiane zu sanieren. Es gelang ihm das einstige Defizitunternehmen in einen gewinnträchtigen Finanzdienstleister umgewandelt. Als Chef der Banca Intesa hat er die Fusion mit der Turiner Bank Sanpaolo (2006) abgewickelt. Er versteht etwas vom Retail wie auch vom Investmentbanking, hat eine langjährige Erfahrung mit institutionellen Investoren aufzuweisen und baute bei Intesa das Auslandsgeschäft auf.

Vor allem aber will Passera wieder zu seinen Wurzeln zurück und jenem Geschäft nachgehen, von dem er am meisten versteht: das Bankgeschäft. Nach seiner kurzen und keineswegs erfolgreichen politischen Karriere als Industrieminister in der Regierung Mario Monti versuchte er sich als Gründer einer eigenen, liberalen Bewegung, war damit aber nicht sehr erfolgreich.

Schwierige Aufgaben

Unicredit steht vor schwierigen Aufgaben. Infolge der relativ schwachen Kapitalausstattung fordern mehrere Analysten eine Kapitalaufstockung von mindestens fünf Milliarden Euro. Oder alternativ den Verkauf von Assets wie etwa von Beteiligungen an den polnischen und türkischen Tochtergesellschaften. Doch dieser Verkauf würde den Gewinn bis zu 40 Prozent verringern, heißt es in Finanzkreisen. (tkb, 20.6.2016)

  • Corrado Passera, Ex-Industrieminister und Chef der Banca Intesa Sanpaolo, soll CEO von Unicredit werden, Italiens größter Bank. Die offizielle Bestellung könnte in den nächsten Tagen erfolgen.
    foto: apa

    Corrado Passera, Ex-Industrieminister und Chef der Banca Intesa Sanpaolo, soll CEO von Unicredit werden, Italiens größter Bank. Die offizielle Bestellung könnte in den nächsten Tagen erfolgen.

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