Spanier bangen um britische Gäste

20. Juni 2016, 17:21
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Ein Brexit könnte den spansichen Tourismussektor mittelfristig hart treffen

Dem Rückgrat der sich erholenden spanischen Wirtschaft droht im Fall eines Brexit ein herber Schlag. Der Tourismussektor, Wachstums- und Beschäftigungsmotor par excellence, würde mittelfristig schwere Einbußen verzeichnen, sorgt sich die Branche.

Mit 15,7 Millionen Gästen führen die Briten die Statistik der Spanien-Urlauber an, sie machen fast ein Viertel des Gesamtkontingents von zuletzt 68 Millionen Gästen aus. Britische Gäste ließen 2015 umgerechnet 14,5 Milliarden Euro auf der Iberischen Halbinsel – Tendenz steigend. Im ersten Quartal 2016 gaben 2,6 Millionen Engländer (plus 20,1 Prozent) knapp 3,5 Milliarden Euro aus.

Zudem leben gut 320.000 Engländer, darunter sehr viele Pensionisten, permanent in Spanien. Hinzu kommen mehr als eine halbe Million Briten, die während der kalten Jahreszeit den Süden bevorzugen. Sie profitieren vom kostenlosen Zugang zum Gesundheitssystem, den sie bei einem Ausscheiden aus der EU verlieren würden. Zum Vergleich: 2015 verbrachten 563.000 Österreicher ihren Urlaub in Spanien, sie waren nach Angaben des Brachenverbands Exceltur für 1,9 Millionen Nächtigungen verantwortlich.

Vorsichtiger Optimismus

"Kurzfristig wäre ein Brexit für den Tourismussektor verkraftbar", sagte der Vizepräsident der Tourismusagentur Exceltur, José Luis Zoreda de la Rosa, dem STANDARD. "Weil die Briten sehr früh buchen", wie er sagte. Die Wintersaison ab September und das darauffolgende Jahr 2017 würden jedoch heikel werden. Dennoch gibt sich Zoreda, der lange Jahre im Vorstand der Sol-Meliá-Hotelgruppe und der Welttourismusorganisation tätig war, vorsichtig optimistisch, da "aktuell die überwältigende Nachfrage an Spanien-Reisen das Angebot klar übertrifft", wie er sagte. Deutsche, Skandinavier oder eben Österreicher könnten ausbleibende Briten prompt ersetzen. Grund für den Spanien-Boom seien politisch-wirtschaftliche Krisen in Mitbewerberländern wie Türkei, Tunesien, Ägypten und Griechenland.

Hauptsorge ist für Zoreda der Wechselkurs des britischen Pfunds zum Euro. Büßt er neun Prozent ein, wie dies manche Analysten im Fall eines Brexit vorhersagen, würde sich dies in den Urlaubsbrieftaschen der Briten niederschlagen. (Jan Marot aus Granada, 20.6.2016)

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