Gegen Berührungsängste: Das Kulturfestival Sichtwechsel

20. Juni 2016, 16:41
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"stadtwärts" lautet das Motto der vierte Auflage des Festivals, das Kunst von Menschen mit Beeinträchtigungen präsentiert

Vierte Auflage des Internationalen Integrativen Kulturfestivals Sichtwechsel. Das Besondere daran: Es präsentiert Kunst von Menschen mit Beeinträchtigungen, vertreten sind die Sparten Theater, Tanz, Performance, Musik, bildende Kunst, Literatur und Film. Getreu dem Motto der heurigen Auflage, "stadtwärts", wird auch die Linzer Innenstadt bespielt, wobei die unmittelbare Begegnung von Künstlern mit der Bevölkerung eine neue Sicht auf gehandicapte Menschen ermöglichen soll. Zudem stehen Ausstellungen, Diskussionen sowie Workshops auf dem Programm, das insgesamt 53 Veranstaltungen umfasst.

Theater

In der Sparkasse und den Auslagen zahlreicher Geschäfte in der Herrengasse werden Bilder heimischer Art-brut-Künstler präsentiert. In den Kammerspielen des Landestheaters zeigt das Berliner Theater RambaZamba Der gute Mensch von Downtown. Autorin Gisela Höhne adaptierte ziemlich frei den Brecht-Klassiker, ließ sich aber auch von der Bibel inspirieren: Im Himmel sind sich Gott und Luzifer einig, dass eine neue Sintflut fällig ist.

Als Beweis, dass die Menschheit noch eine letzte Chance verdient, wollen zuvor zwei Erzengel auf der Erde drei "gute" Menschen finden. Die Aufgabe stellt die Engelsgeduld auf eine harte Probe, denn niemand hat im täglichen Überlebenskampf etwas für die inkognito umherirrende Kommission übrig. Als sie schließlich Gastfreundschaft von drei jungen Frauen mit Downsyndrom erfahren, zögern die Erzengel: Zählt das Gutsein überhaupt, wenn es eine Art Geburtsfehler ist? Zur Besetzung gehört u. a. Eva Mattes.

Tanz und Film

Das Theater Reutlingen verbeugt sich im Stück Die Tonne (im Ursulinensaal) vor Charlie Chaplin. Am selben Ort gib die Dortmunder Gruppe I Can Be Your Translator das Musiktheater Displace Marilyn Monroe. Die Engländerin Claire Cunningham tanzt in der BlackBox des Musiktheaters die Soloperformance Give Me A Reason To Live. Die Sichtwechsel-Eigenproduktion HighMadLand des Salzburgers Wolf Junger thematisiert Heimat. Im Moviemento laufen fünf Filme zu diesem Thema, darunter Das Pferd auf dem Balkon (Ö 2012, Regie: Hüseyin Tabak): Was heißt schon "normal" sein, wenn ein spielsüchtiger junger Mann ein Pferd auf seinem Balkon hält und ein Bub mit Asperger-Syndrom am besten weiß, was mit dem Gaul geschehen soll? (dog, 20.6.2016)

21.-25. 6., Linz, Landestheater, Sparkasse, diverse andere Orte, ab 10.00

sicht:wechsel

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