Sommerszene Salzburg: Gala der Freuden und der Finsternis

20. Juni 2016, 16:30
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"Europa, die Toten haben nichts zu lachen": Am 21. Juni startet das Festival mit zwölf Tagen Tanz und Performance von heute und vom Feinsten

Salzburg – Bevor noch die Perle an der Salzach mit ihren Festspielen veredelt wird, präsentiert das Festival Sommerszene Salzburg Glanzstücke der zeitgenössischen Performance, etwa den "Antirassismusvergnügungspark" von Julius Deutschbauer, den nicht wenige "den Großen" nennen – wie das "große" Wörterbuch. Oder früher den großen Stowasser.

Warnung: Der große Deutschbauer ist politisch nicht korrekt, sondern vollständig!

Hier glänzt in elf Kapiteln das Elend einer EU-ßersten Gegenwart aus einem Container auf dem Unipark Nonntal. Ab 22. Juni, mit Plakat und Performanz, u. a. à la: "Darling, ich habe schon wieder einen Flüchtling geschleppt" oder, mit Hermann Schürrer, "Europa, die Toten haben nichts zu lachen".

Auf Augenhöhe

Um einiges milder eröffnet ein anderer Großer die Sommerszene am Abend des 21. Juni im Republic. Der französische Choreograf Jérôme Bel lädt Salzburgerinnen und Salzburger zu seiner "Gala", die auf der Bühne ein Defilee ihres Könnens liefern. Bel schafft es, Bühnenprofis und Amateure auf Augenhöhe und ohne Bloßstellung miteinander zu kreuzen. Die Wiener Version vergangenen Jänner im Tanzquartier war jedenfalls wirklich bezaubernd.

Ebenso schillernde Hybride, wenn auch eher anderer tänzerischer "Natur", erzeugt das Bodhi Project der Salzburger Tanzakademie Sead mit Stücken von Mark Lorimer und Milla Koistinen in der Arge Kultur hinter der Uni.

Vorgeführte Finsternisse

Härter geht es am Freitag und Samstag zu, wenn die Isländerin Erna Ómarsdóttir mit der von ihr geleiteten Iceland Dance Company ins Mark diverser Finsternisse von Natur und Kultur führt. Black Marrow ist gleichermaßen wüst und animalisch, cool und schön; die Musik kommt von Ben Frost.

What else? Die Roaring Twenties mit ihren großen Revuen haben den Wiener Willi Dorner zu seiner Stadtraumchoreografie every-one inspiriert; und die gefühlstiefen Rabtaldirdln greifen in "Du gingst fort" das Thema Landflucht auf.

Keinesfalls versäumen sollte man auch Philipp Gehmacher und Jonathan Burrows mit Matteo Fargion im Museum der Moderne, die britische Gruppe Subject to_change (Home Sweet Home) und die Müll-Poe- sie Oblivion von Sarah Vanhee. (Helmut Ploebst, 20.6.2016)

Sommerszene Salzburg, verschiedene Veranstaltungsorte, 21. 6. bis 2. 7.

Link www.szene-salzburg.net

  • Wüst und animalisch, cool und schön: Die Isländerin Erna Ómarsdóttir mit der Iceland Dance Company.
    foto: bjarni grimsson

    Wüst und animalisch, cool und schön: Die Isländerin Erna Ómarsdóttir mit der Iceland Dance Company.

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