Körperverletzungsprozess: Großer Streit ums Kleine Glück

1. Juli 2016, 15:50
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Ein 35-Jähriger soll seine Ex-Freundin geschlagen und ihre Familie bedroht haben. Er verweist auf den rustikalen Umgangston in Teilen Wiens

Wien – Die Beziehung zwischen Peter S. (Name geändert) und Denise F. verlief – vorsichtig ausgedrückt – nicht friktionsfrei. Darum sitzt der 35-Jährige nun mit einer Anklage wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung vor Richter Marc Farkas.

Staatsanwältin Kristina Jahn wirft dem dreifach Vorbestraften vor, seine damalige Lebensgefährtin an zwei Tagen körperlich attackiert und ihre Familie bedroht zu haben. Zumindest Zweiteres bestreitet der Arbeitslose – und verweist auf die rustikale Ausdrucksweise in Wien-Leopoldstadt.

"I werd di Tonkstö odrahn", soll er Frau F. gesagt haben. Jene Tankstelle, an der ihre Mutter arbeitet. "Bei uns im 2. Bezirk is odrahn gonz normal. Des sog ma ständig", belehrt D. den aus dem Burgenland stammenden Richter.

Ex-Freundin im Lokal

Drei Monate waren S. und F. ein Paar, blöderweise besuchte man am 3. April ein Lokal, in dem die Ex-Freundin von S. war. "Mir san daun gwechselt, a Freind is ins andere Lokal kumman." F. habe mit diesem Freund Streit begonnen, also ging S. zurück in die erste Gaststätte.

Was seiner Partnerin nicht gepasst hat. "Du Hurnkind, wos büdst da ei?", soll sie geschimpft haben. Und: "Ihr Scheißkinder vom 2. Bezirk glaubts, ihr sad‘s wos Bessas!" Die 31-Jährige habe ihn "maßlos provoziert" und auch attackiert, schließlich habe er ihr einen Stoß und eine Ohrfeige gegeben, erinnert sich der Angeklagte.

Das Spiel wiederholte sich am nächsten Tag in F.s Wohnung. "I wor guad drauf", rekapituliert der Angeklagte. "Drei, vier Bier hob i im 'Kleinen Glück' trunkn." Seine Partnerin nahm das anders wahr. "Du bist augsoffen. Du stinkst, wüst die ned zur Ex schleichen?", habe sie ihn begrüßt. Wieder eskalierte die Situation, er schlug ihr ein blaues Auge und stieß die Drohung aus. Am nächsten Tag sei er ausgezogen.

"I hob eam a Watschn geben"

Das Opfer schildert, dass S. beim ersten Vorfall auf seinen Freund eifersüchtig gewesen sei und das Lokal gewechselt habe. Dass es dort zum Streit gekommen sei, bestreitet sie nicht. "Er hod mi weggstoßen, daun hod a gsogt, i soi herhaun." Das tat sie: "I hob ma docht, wenn a scho so schä dosteht, hob i ehm a Watschn geben."

Die Arbeitslose gesteht ihrem Ex-Partner aber auch zu: "Wenn a nix trinkt, is a da suppernetteste Mensch!" Wie sich herausstellt, hat sie die Sache mit der Tankstelle auch nicht als Morddrohung aufgefasst. "Des sogn die öfdas", erfährt der Richter.

Der den Angeklagten schließlich rechtskräftig zu fünf Monaten bedingter Haft verurteilt und vom Vorwurf der Nötigung freispricht. (Michaelvár Peterson, 1.7.2016)

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