Trump trennt sich von Wahlkampfmanager Lewandowski

21. Juni 2016, 08:09
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Kritik an schlechten Umfragewerten und schlechter Presse

Washington – Es ist ein Rausschmiss, der wirklich niemanden überrascht. Donald Trump trennt sich von Corey Lewandowski, seinem Wahlkampfmanager, und als die Meldung die Runde machte, wunderten sich Washingtons Insider höchstens darüber, dass es so lange gedauert hat. Denn Lewandowski passte nicht mehr zum Konzept eines Kandidaten, der mit Blick auf die Präsidentschaftswahl die Mitte anzusteuern versucht, nachdem er das parteiinterne Rennen der Republikaner im Wesentlichen mit rechtspopulistischen Parolen bestritten hatte.

Auch der kolportierte Ablauf passt ins Bild. Offenbar hatte Lewandowski bei einer internen Strategiebesprechung einen ungenehmen Vorschlag zur Präsentation des geplanten Trump-Kandidaten für die Vizepräsidentschaft gemacht. Der Immobilienmogul ließ ihn daraufhin von Sicherheitspersonal aus seiner Wahlkampfzentrale im Trump-Tower entfernen.

Der Mann, der Trumps weicheres Image pflegen soll, heißt Paul Manafort und ist eine bekannte Größe im Geschäft der Politikberater, seit ihn der damalige Staatschef Gerald Ford 1976 in sein Team holte.

Verachtung fürs Establishment

Manafort steht für Nadelstreifen, Lewandowski für die hemdsärmelige, bisweilen rüde Art der Tea-Party-Bewegung, in deren Reihen er nach vorn rückte. Aus seiner Verachtung für das Establishment, die republikanischen Parteigranden eingeschlossen, hat der 42-Jährige aus Massachusetts nie ein Hehl gemacht. Kein Wunder, dass Trump ihn einspannte, als er seinen Hut in den Ring warf. Man war auf gleicher Wellenlänge, hoffte der Immobilienmogul doch selber die Enttäuschung vieler Wähler über das Establishment für sich auszuschlachten. "Lasst Trump einfach Trump sein", gab Lewandowski als Maxime aus und stellte sich gegen alle, die dem Mann rieten, seine oft so vulgäre, verletzende Art gegen staatsmännischere Töne einzutauschen. Einmal, in Florida, packte er eine Reporterin im Stile eines Ringkämpfers am Arm, weil sie seinem Chef ein paar Fragen zu stellen versuchte.

Lewandowskis Problem ist, dass Trump nun selber Kompromisse mit jenen Parteigranden anstrebt, gegen die er monatelang meist nur gewettert hatte. Auf dem Nominierungsparteitag im Juli will er in blau-weiß-rotem Konfettiregen eine schöne Show inszenieren, da wirkt der Adlatus mit dem Ruf eines Raufbolds eher wie ein Störfaktor.

Das aber ist nur die halbe Wahrheit. Die Ablösung des alten Managers fällt zusammen mit Meinungsumfragen, nach denen Trumps Höhenflug vorläufig beendet ist. Als er so weit ging, Barack Obama nach dem Blutbad von Orlando in die Nähe radikalislamischer Terroristen zu rücken, rauschten seine Beliebtheitswerte in den Keller: 70 Prozent der Amerikaner haben im Moment eine negative Meinung von ihm. Wenn nicht alles täuscht, dann kriselt es gerade ziemlich heftig im Trump Tower, dem New Yorker Hauptquartier der Kampagne. (Frank Herrmann, 20.6.2016)

  • Corey Lewandowski ist nicht mehr der Wahlkampfmanager des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.
    foto: ap photo/charles rex arbogast

    Corey Lewandowski ist nicht mehr der Wahlkampfmanager des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.

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