Wie man in Tripadvisors Hall of Fame kommt – und ich lieber weg

Ansichtssache21. Juni 2016, 15:34
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Südtirol, anspruchsvoll: Harald Fidler besucht den Meran-Klassiker Sissi – und fährt doch weit lieber nach Eppan zur Rose.

Man nehme: a) einen guten Koch, der b) seine Montur lieber als Patron im Gastraum ausführt denn in der Küche, jedenfalls an ruhigeren Aprilwochentagen, und das c) jovialst mit einigem Charme und Witz. Am besten d) in einem schmucken, durchaus prominenten Eck der Stadt (hier: Meran).

Und, in Personalunion am besten, einen Koch, der e) Sinn für ein bisschen moderne, möglichst spektakulär wirkende Küchentechniken hat – oder, für das jeweilige Publikum, einigermaßen modern wirkende Optik. Wenn f) dieser Sinn nicht allzu weit geht.

Dieser Sinn für Spektakel lässt sich aber g) auch abfangen mit genügend Retrocharme in der Wirtshausausstattung. Und h) mit möglichst ausgiebigen Portionen, gern auch i)ntensiver gewürzt und verdichtet. Am besten j) unterstützt vom einen oder anderen, k) möglichst originellen Gruß aus der Küche vor und nach dem Bestellten. Dann werden durchaus ordentliche Preise l) nicht ganz so ordentlich wahrgenommen.

Ein Paradefall für die "Hall of Fame"

Andrea Fenoglio in Südtirol ist ein Paradefall dieses – hier viel zu grob skizzierten – Schemas für den Tripadvisor, und so klebt denn auch an seinem Wirtshaus "Sissi" ein "Hall of Fame"-Pickerl des Empfehlungsportals. Soll heißen: über (zumindest) fünf Jahre überdurchschnittlich begeisterte Gäste.

Ich werde auch nach fast zehn Jahren dieser kleinen, dreckigen Gastrokolumne garantiert nicht in die Hall of Fame der Foodfotografie aufgenommen. Aber vielleicht können Sie sich nach diesen Bildern – und meinen Kurzbefunden – trotzdem vorstellen, warum ich dem Tripadvisor lieber nicht folge. Und mich hier zum Beispiel von Meran nach Eppan aufmache, zu Herbert Hintner. Und für das gleiche Geld ein gutes Stück glücklicher aufbreche.

Aber ein bisschen Fantasie brauchen Sie schon, diesmal sogar ein bisschen mehr als sonst, bei diesen flauen Fotos...

Bild 1 von 21
foto: harald fidler

Stamperl Pizza

Andrea Fenoglios Küche grüßt mit einem Stamperl "flüssige Pizza" – die feststofflich-traditionellere Form gibt es, wie Schmeck's-Leserinnen wissen, seit kurzem ganz gut in einem Fenoglio-Ableger namens 3-5-7. Schon okay.

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