Erdoğan nach Angriff auf Musikfans: Bruch der Fastenordnung "dreist"

20. Juni 2016, 14:48
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Türkischer Präsident: Veranstaltung während Ramadan "genauso falsch" wie Gewalt

Istanbul – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat den Übergriff von Islamisten auf Radiohead-Fans in Istanbul verurteilt und Kritikern zugleich böse Absichten vorgeworfen. Sich zu einer solchen Veranstaltung während des Fastenmonats Ramadan "zu erdreisten" sei genauso falsch, wie mit "grober Gewalt" dagegen vorzugehen, sagte er am Sonntagabend zum Fastenbrechen in Istanbul.

Musikgeschäft gestürmt

Am Freitagabend waren Fans der Rockgruppe Radiohead in einem Plattengeschäft in Istanbul angegriffen worden. Die Angreifer hatten den jungen Leuten vorgeworfen, im Ramadan Alkohol getrunken zu haben. Erdoğan sprach dem Besitzer des Geschäfts – laut Medienberichten ein Koreaner – sein Mitgefühl aus.

"Beide Seiten sind im Unrecht", sagte Erdoğan. Diejenigen, die den Vorfall zu einer Legende nach dem Motto "Angriff auf nicht Fastende" machen wollten, handelten aus böser Absicht.

Fastenbrechen mit Transsexueller

Nur Stunden, nachdem Istanbuls Polizei eine Kundgebung für die Rechte Homosexueller gewaltsam aufgelöst hatte, hat Erdoğan die berühmteste Transsexuelle des Landes zum Fastenbrechen eingeladen: Am Montag veröffentlichte Erdoğans Büro ein Foto vom Vorabend, das ihn und seine Frau Emine an einem Tisch mit Schauspielstar Bülent Ersoy zeigt.

Die 64-Jährige gehörte zu den Gästen beim Iftar-Fastenbrechen in Erdoğans Istanbuler Residenz. In ersten Reaktionen mokierten sich Internetnutzer über den Hang des türkischen Präsidenten zu widersprüchlichem Verhalten. Wenige Stunden zuvor war die Polizei gewaltsam gegen Dutzende Anhänger der Homosexuellen-Bewegung vorgegangen, die an einer Demonstration in der Nähe des Taksim-Platzes teilnahmen. (APA, 20.6.2016)

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