Tschechien und Türkei wollen letzte Chance nützen

20. Juni 2016, 13:57
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Tschechien benötigt Sieg, Lage für Türkei fast aussichtslos – Rosicky schwer zu ersetzen – Erdogan nahm Mannschaft in Schutz

Lens – Ein echtes Finale um den Aufstieg ins Achtelfinale der Fußball-EM steht dem Europameister von 1976 bevor. Gegen die Türkei benötigt Tschechien am Dienstag (21.00 Uhr, Liveticker auf derStandard.at) in Lens ohne Tomas Rosicky drei Punkte, um in die K.o.-Runde einzuziehen. Die Türken hätten nur bei einem sehr hohen Sieg noch Chancen, als einer der besten Gruppendritten weiterzukommen. Die Stimmung ist nach zwei Pleiten im Keller.

Tschechien (ein Punkt) wäre mit einem Sieg so gut wie fix weiter, da vier Zähler wohl auch als Gruppendritter zum Aufstieg reichen würden. Falls Kroatien gleichzeitig gegen Spanien verliert, könnten die Tschechen aber sogar noch die Kroaten überholen. Dabei kommt es aber auf einige Unwägbarkeiten an.

Bei einer Punkt- und Torgleichheit der beiden Teams würde nämlich die bessere Toredifferenz aus allen Gruppenspielen entscheiden, da Tschechien und Kroatien im direkten Vergleich unentschieden gespielt haben. Sollte diese ebenfalls gleich sein, zählt zunächst die Anzahl erzielter Tore aus allen Gruppenspielen, dann das Fair-Play-Verhalten bei der EM und dann der UEFA-Koeffizient.

Rosickys Ausfall schmerzt Tschechien

Schwer ins Gewicht fällt bei den Tschechen das EM-Aus von Kapitän Rosicky. Der 35-jährige Arsenal-Spielmacher hatte sich am Freitag beim 2:2 gegen Kroatien einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und fällt drei bis sechs Wochen aus.

"Der Ausfall schmerzt natürlich sehr. Es wird hart, Tomas zu ersetzen", sagte Abwehrspieler Pavel Kaderabek. "Immer wenn es eng wurde, haben wir den Ball bisher Tomas gegeben. Wir wussten, da war er sicher und wir konnten uns an ihm aufrichten." Kaderabek hofft, den Verlust über das Kollektiv auffangen zu können. "Das wird aber nicht einfach."

Die Türkei geht mit null Punkten und mit dem Handicap einer klar negativen Tordifferenz von minus vier ins Entscheidungsspiel in Lens. Verteidiger Gökhan Gönül glaubt dennoch an ein glückliches Ende. "Es gibt etwas, das die türkische Nationalmannschaft immer macht, das ist Kämpfen bis zur letzten Minute", sagte der Routinier von Fenerbahce Istanbul. "Vielleicht haben wir keine große Chance diesmal, aber wir werden trotzdem unser Bestes geben und hoffentlich, mit etwas Glück, gegen Tschechien gewinnen und weiterkommen."

Erdogan verteidigt

Selbst mit drei Zählern auf dem Konto könnte es am Ende aber nicht reichen. Dafür würde die Türken schon am Dienstag hohe Siege von Deutschland und England gegen Nordirland bzw. die Slowakei benötigen, die schon jetzt bei einem Sieg halten und zudem beide ein besseres Torverhältnis aufweisen.

Die massive Fan-Kritik könnte Trainer Fatih Terim dazu bewegen, sein Team umzustellen. Volkan Sen, Yunus Malli und Cenk Tosun werden gute Chancen eingeräumt, in die Startaufstellung zu rücken. Unterstützung bekam Terim zuletzt von allerhöchster Stelle. "Das hat mich als Staatspräsident sehr traurig gemacht", sagte Recep Tayyip Erdogan laut der Nachrichtenagentur DHA über die Anfeindungen der Fans. Die protestierenden Anhänger seien "der Sache völlig hinderlich".

Vor allem die lautstarke Kritik von den Tribünen an Spielmacher Arda Turan vom FC Barcelona nach der 0:3-Niederlage gegen Spanien ging Erdogan entschieden zu weit: "Im zweiten Spiel wurde unser Spielführer, den wir alle bisher in den Himmel gelobt haben, Opfer von Schmährufen. Er ist unser Sohn, unser Bruder, der zur besten Mannschaft der Welt gewechselt ist. Schämt ihr euch nicht?" (APA, 20.6.2016)

Mögliche Aufstellungen Gruppe D, 3. Runde:

Tschechien – Türkei (21.00 Uhr, Lens, Stade Bollaert-Delelis, SR William Collum/SCO)

Tschechien: 1 Cech – 2 Kaderabek, 6 Sivok, 5 Hubnik, 4 Gebre Selassie – 22 Darida, 13 Plasil – 9 Dockal, 14 Kolar, 19 Krejci – 7 Necid

Ersatz: 16 Vaclik, 23 Koubek – 3 Kadlec, 8 Limbersky, 17 Suchy, 11 Pudil, 15 Pavelka, 18 Sural, 20 Skalak, 12 Skoda, 21 Lafata

Es fehlt: 10 Rosicky (Muskelfaserriss im Oberschenkel)

Türkei: 1 Babacan – 7 Gönül, 15 Topal, 3 Balta, 18 Erkin – 8 Inan, 16 Tufan – 6 Calhanoglu, 5 Sahin, 10 Turan – 9 Tosun

Ersatz: 12 Kivrak, 23 Tekin – 2 Kaya, 4 Calik, 13 Köybasi, 22 Özbayrakli, 11 Sahan, 14 Özyakup, 19 Malli, 20 Sen, 17 Yilmaz, 21 Mor

  • Finale um den Aufstieg zwischen der Türkei und Tschechien.
    foto: apa/afp/bulent kilic

    Finale um den Aufstieg zwischen der Türkei und Tschechien.

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