Wien: Wasserrohrwechsel wird dem Gürtel zur Belastungsprobe

20. Juni 2016, 13:10
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Ab Dienstag ist eine Fahrspur des außeren Neubaugürtels gesperrt, eine zweite folgt am Wochenende

Wien – Wenn am Dienstagmorgen der Frühverkehr abgeebbt sein wird, werden Bauarbeiter einen Abschnitt der meistbefahrenen Landesstraße Österreichs um eine Fahrspur verschmälern und in der Nacht auf Samstag um eine weitere. Der äußere Gürtel zwischen Gablenzgasse und Goldschlagstraße wird dann bis Anfang September tagsüber nur mehr zweispurig befahrbar sein, in den Nächten und an den Wochenenden gar nur einspurig.

Der Flaschenhals wird nötig, weil 1.500 Meter großdimensionierte Rohre, die vor über hundert Jahren zur Trinkwasserversorgung unter dem ehemaligen Linienwall eingegraben wurden, getauscht werden müssen. Gleichzeitig wird an einigen Stellen des äußeren Gürtels die Fahrbahn saniert.

Das gab Peter Lenz, der Baustellenkoordinator der Gemeinde Wien, bei der Präsentation der Großbaustellen des heurigen Sommers am Montag bekannt. Die Ferienzeit werde bevorzugt für die Infrastrukturprojekte genutzt, weil das Verkehrsaufkommen dann erfahrungsgemäß rund zwanzig Prozent unter dem des restlichen Jahres liegt. Von den rund 12.000 jährlichen Baustellen – da wird laut Lenz aber "jeder Erdhaufen mitgezählt" – seien rund 300 bis 400 verkehrsrelevant, 30 bis 40 gelten als "wichtige Sommerbaustellen".

Baustellenkoordination als Puzzlespiel

Dass der Gürtel und Abschnitte mehrerer Parallelgassen für den Wechsel der Rohrstränge aufgerissen werden, sei "das ganz große Highlight", so Lenz. Weitere Herausforderungen für den Straßenverkehr dürfe man aber nicht vergessen, etwa die Kreuzung Triester Straße und Wienerbergstraße im Bezirk Favoriten als einen von vielen Kandidaten für aufwendige Fahrbahnreparaturen. Der bröckelnde Bitumenbelag wird dort durch eine Betondecke ersetzt. Auch hier sollen immer zumindest zwei Fahrspuren aufrechterhalten werden, kurzfristig könne es aber zu lokalen Umleitungen kommen.

Das Baustellenmanagement sei abhängig von den Arbeiten von Asfinag und Wiener Linien im Stadtgebiet, sagt Lenz. So wird das Verkehrsunternehmen in der Breitenfurter Straße zwischen Wienerbergstraße und Schneiderhansgasse Gleise erneuern – allerdings erst nach Abschluss der Fahrbahnsanierung ab Mitte August, um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen. Überhaupt werde in allen Fällen auf eine taggenaue Koordinierung der Baustellen geachtet, "damit sie sich nicht gegenseitig im Weg sind. Das war ein Puzzlespiel", sagt Lenz etwa über die Planung für den Wienerberg, wo kleinere Baustellenabschnitte erledigt und sofort wieder für den Verkehr freigegeben werden sollen.

Auch im Bereich Schottenring werden die Wiener Linien von 27. Juni bis voraussichtlich 31. Juli mehrere hundert Meter Gleise ersetzen. Dafür muss eine Fahrspur der Ringstraße gesperrt werden, beim Wechsel der Gleistragplatten von 8. bis 11. Juli eine zweite. In der Nachbarschaft wird gleich mehrfach gewerkt: Wie auf dem Gürtel lässt die Magistratsabteilung 31 (Wiener Wasser) auch in der Heßgasse neue Trinkwasserrohre verlegen, und die Lücke auf dem äußeren Ringradweg östlich des Schottentors wird geschlossen.

Kritik aus der ÖVP

Ein Radweg wird auch auf dem Getreidemarkt zwischen Lehárgasse und Linker Wienzeile angelegt; in der Wattgasse werden Gleis- und Kanalbauarbeiten zeitweise für Umleitungen über die Geblergasse sorgen; Staus erwarten die Baustellenmanager zudem durch Fahrbahnausbesserungen am Alsergrund, wo die Spitalgasse und die Nußdorfer Straße auf die Währinger Straße treffen. Die Gegenden rund um den Hauptbahnhof und das Krankenhaus Wien-Nord werden über den Sommer hinaus Baustellen bleiben.

Man habe darauf geachtet, dass angesichts der aktuell stattfindenden Sanierung der U-Bahn-Linie 4 alle Einfahrtswege im Westen der Stadt offen bleiben, und die baldige Fertigstellung der Bauarbeiten an der A22 sollte den Verkehr in Wien wieder etwas entlasten, hofft Lenz. Er empfiehlt Autolenkern, mehr Zeit für notwendige Wege oder alternative Routen einzuplanen oder gleich auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.

Auch der ÖAMTC warnte in einer Aussendung am Montag vor erheblicher Staugefahr am Gürtel. Vor allem in der ersten Woche seien gröbere Verzögerungen zu befürchten. "Erfahrungsgemäß dauert es nach der Einrichtung einer neuen Baustelle immer einige Tage, bis die Verkehrsführung gut angenommen wird", sagt auch Lenz.

Kritik am Baustellenmanagment kommt indes von Manfred Juraczka, dem Obmann und Verkehrssprecher der Wiener ÖVP, in Form einer Aussendung mit dem Titel "Verantwortung für Stau-Chaos liegt bei Rot-Grün". Er fordert "nicht nur eine taggenaue Koordinierung des Baustellensommers in Wien, sondern selbstverständlich auch eine stundengenaue und situationsbezogene Koordinierung und Abstimmung inklusive adäquater Ausweichrouten". (Michael Matzenberger, 20.6.2016)

Die vollständige Liste der Sommerbaustellen in Wien finden Sie in diesem PDF.

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  • Kein Wasserrohrbruch – wie hier im Frühling 2013 –, sondern die geplante Erneuerung des Wasserrohrnetzes wird auf dem Gürtel für Fahrbahnsperren sorgen.
    foto: apa / herbert neubauer

    Kein Wasserrohrbruch – wie hier im Frühling 2013 –, sondern die geplante Erneuerung des Wasserrohrnetzes wird auf dem Gürtel für Fahrbahnsperren sorgen.

  • Im Sommer wird gebaut.
    grafik: apa

    Im Sommer wird gebaut.

  • In diesen Bereichen auf dem Neubaugürtel werden neue Wasserrohre verlegt.
    grafik: ma31

    In diesen Bereichen auf dem Neubaugürtel werden neue Wasserrohre verlegt.

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