Wir haben "Game of Thrones" gesehen: S06 E09 – "Battle of Bastards"

Blog20. Juni 2016, 15:30
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Tote und Verletzte bei mehreren Zwischenfällen auf beiden Kontinenten – und was sonst noch in der neunten Folge der sechsten Staffel geschah

Achtung, hier gibt's Spoiler. Wenn Sie die letzte Folge von "Game of Thrones" nicht gesehen haben, dann lesen Sie nicht weiter. "Ungebeugt, ungezähmt und ungebrochen" meinen Sie: Wir sind "hoch wie die Ehre", gebt uns die Spoiler, denn "der Winter naht." Doch "wir säen nicht"! Schon gar keine unangekündigten Spoiler. Wir machen keine halben Sachen, "Familie, Pflicht und Ehre" sind uns wichtig, genauso wie unsere Community. "Hört mich brüllen!", sagen Sie. Doch wir beschützen Sie vor Spoilern, mit "Feuer und Blut". Denn "wir wachsen kräftig" und "unser ist der Zorn".

gameofthrones
Für die ganz Mutigen: Das erwartet uns im Staffelfinale. Dazu wird es übrigens hier einen Liveticker geben. Brace yourselves!

Was war das für eine Folge. Zwei Schauplätze, zwei Schlachten, alte Feinde und neue Freunde. Kaum kam man dazu, seine Gedanken über das soeben Gesehene zu sortieren. Starten wir einen Versuch!

Danke für die Armada

Durchaus ungewöhnlich begann die Folge weder mit dem einen noch dem anderen Bastard, sondern mit der komplett ehelich geborenen Danaerys, die in Meereen ihre eigene Schlacht zu kämpfen hatte. Letzte Woche überraschend rechtzeitig zu Beginn der Belagerung in ihre Pyramide gestolpert, ist sie diese Woche ziemlich arg drauf: "Städte verbrennen, die Meister kreuzigen, jeden einzelnen Soldaten töten ..." Tyrion schaut schon ganz besorgt und mahnt mit der Erinnerung an ihren verrückten Vater. Doch es gibt zum Glück noch Plan B. Zwar stellen die Meister inakzeptable Rückzugsforderungen. Drachen schlachten? Niemals! Doch da kommt auch schon der gute alte Drogon, und mit Danaerys am Rücken, seinen Geschwistern im Schlepptau und der Dothraki-Armee beenden sie die Belagerung schneller, als man "Dracarys" sagen kann. Good News: Danaerys hat jetzt eine Armada.

Und es geht noch weiter mit den positiven Neuigkeiten. Als Yara und Theon bei der Drachenkönigin eintreffen, sind die beiden Damen einander gleich sympathisch. Man wird sich schnell einig, 100 Schiffe und ein radikal geänderter Lebensstil auf den Iron Islands gegen die Unabhängigkeit des Volkes mit dem rauen Charme. Und den einen oder anderen toten Onkel, der Frauen nicht für regierungsfähig hält. Euron, schnall dich an.

Kniet vor mir!

Doch Meereen war in dieser Episode nur ein Nebenschauplatz. Ans Eingemachte ging es im Norden Westeros: Heimat, Vergeltung, Familienbande, die Tragödien der Vergangenheit. Seit der traumatisierenden "Red Wedding" vor mehreren Staffeln wartete man auf den Moment, an dem die Starks wieder Kontrolle über ihr Schicksal gewinnen.

foto: sky/hbo
Sie weiß, wovon sie spricht!

Die erste Konfrontation auf dem späteren Schlachtfeld verheißt nichts Gutes, die Stimmung ist einigermaßen frostig. Dieser Eindruck verstärkt sich, als unsere Freunde beim anschließenden Kriegsrat Besprechung halten. Der Schlachtplan, der Tormund erst übersetzt werden muss, wirkt leider erschreckend konservativ, wie die skeptische und recht grantige Sansa feststellt. Immerhin hat man es hier mit einem Psychopathen zu tun, den sie in- und auswendig kennt, und dennoch kommt niemand auf die Idee, sie nach ihrer Meinung zu fragen. Wieder redet eine Stark-Frau auf einen Stark-Mann ein und versucht ihm taktischen Durchblick einzuimpfen. Doch schon Robb hörte nicht auf seine Mutter, genauso wenig wie Jon auf seine Schwester. Lernt doch aus der Geschichte, Stark-Männer!

Jon hat zwar noch Hoffnung, doch Sansa ist abgeklärt. Rickon sei verloren, und die Stark-Streitmacht ist lächerlich klein.

Melisandre, das kannst du besser

Beim nächtlichen Spaziergang von Davos und Tormund wird die Frage aufgeworfen, wem man folgt, auf wen man hört, welchem König man dient. Das wird vermutlich noch wichtig. Glücklicherweise ist Jon kein König. Man möchte Davos schon zurufen: "Bitte, spazier nicht so weit weg, du weißt doch, die Boltons ...!" Da hat er schon den Scheiterhaufen der armen Shireen mit den Resten des von ihm geschnitzten Hirsches gefunden. Oje, oje, Melisandre, das wird ein unangenehmes Gespräch.

Die gute Melisandre offeriert mittlerweile nur noch sehr vage Visionen und Ratschläge, den Kriegsrat schwänzt sie gleich komplett. "Verliert nicht!" – ja, okay, no na, Melisandre, danke für den Tipp.

Spielen wir ein Spiel!

Der Morgen der Schlacht. Die ungleichen Heere stehen einander gegenüber. An den brennenden Kreuzen hängen schon einige gehäutete Männer, und die Banner wehen. Ramsay, der einen Hang zu Hunde-Metaphern hat, führt den armen Rickon an der Leine hinter sich her und lässt ihn nach einer üblen Schrecksekunde frei. Er solle rüberlaufen zu seinem Bruder, dann sei er frei. Man ahnt schon, das geht nicht gut aus. Rickon wird zur lebenden Zielscheibe, Jon reitet ihm entgegen, fast hat er ihn doch ... NEIN ... Rickon ist tot.

Das war ein kurzes, trauriges Wiedersehen mit dem jüngsten Stark. Ramsays Falle funktioniert, Jon schießt alle Vorsicht in den Wind und reitet dem feindlichen Heer alleine entgegen, die Wildlinge eilen hinterher. Es wird schnell deutlich, dass es sich ohne Skrupel besser kämpfen lässt. Ramsay hat im Gegensatz zu Davos kein Problem damit, einen Pfeilregen auf die kämpfenden Soldaten loszulassen, auch wenn dabei eigene Männer getötet werden.

Hättest du doch auf Sansa gehört

Mehrere Male glaubt man, Jon zum letzten Mal gesehen zu haben, und schließlich schnappt Ramsays Falle komplett zu. "Sie können uns nicht von der Seite angreifen" – da hat Jon beim Kriegsrat noch groß geredet. Nun passiert genau das. Das glücklose Stark-Heer findet sich komplett eingekesselt von der Bolton'schen Streitmacht, und man bereitet sich schon auf unmittelbar einsetzenden Herzschmerz vor. Bitte nicht, bitte nicht.

Auch aus der Hoffnung spendenden Umber-Theorie wurde nichts, Umber selbst wirft sich in den Kampf gegen Tormund. Doch wenn man glaubt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Das Horn ertönt! White Walkers? Vielleicht doch noch eine Armee aus Riverrun? Nein, Littlefinger ist es, der den Tag rettet und sich ganz schnell wieder in die Herzen der Zusehen katapultiert. Danke, Petyr! Deine Motive mögen zweifelhafter Natur sein, aber das ist uns momentan ganz wurscht!

foto: sky/hbo
Tja, Ramsay ...

Ramsay zieht sich nach Winterfell zurück und wähnt sich in Sicherheit. Doch so ein Riese kann das ganz schnell ändern und bricht das Tor auf. Das war's aber leider für den lieben Wun Wun, gerne hätten wir noch mehr von ihm gesehen. Auweh, das Herz schmerzt schon wieder ein bisschen. Doch Ramsay bekommt endlich, was er verdient. Erst eine ordentliche Tracht Prügel von Jon – fast so schön wie der von Tyrion geohrfeigte Joffrey damals.

Schließlich landet er in seinem eigenen Folterkeller, wo Sansa seine eigenen Hunde auf ihn loslässt. Sie hat anscheinend einiges von den Psychopathen in ihrem Leben gelernt, denkt man, während sie lächelnd vom blutigen Schauplatz weggeht. Die weißen Wolf-Banner werden ausgerollt – Winterfell gehört wieder den Starks.

Wie geht es weiter?

Was für eine Folge. Regisseur Miguel Sapochnik schafft beeindruckende Bilder und setzt die Schlachten auf Essos und Westeros mit extremem Aufwand um. Oft genug gibt es Szenen, deren Ausgang man erahnt, wie die, in der Rickon und Jon aufeinander zulaufen, die aber dennoch vor Spannung kaum auszuhalten sind. Doch welche Fragen wirft diese Folge auf?

Könnte das bisher Undenkbare bevorstehen, dürfen wir zu hoffen wagen? Steht eine Stark-Familienzusammenführung bevor? Arya befindet sich mutmaßlich auf dem Heimweg, Jon und Sansa sind bereits daheim, und auch Bran bewegt sich südwärts. Und schließlich sagte schon Melisandre einst zu Arya: "Wir sehen uns wieder." Wenn es aber so wie bei Rickon ausgeht, dann lieber kein Familientreffen.

Was meinte Ramsay mit "Du kannst mich nicht mehr töten, ich bin jetzt ein Teil von dir"? Ist das einfach im übertragenen Sinn gemeint, oder könnte das gar bedeuten, dass Sansa schwanger von ihm ist? Man wünscht es ihr wahrlich nicht. Interessant wird aber auch, wie Jon noch auf ihre Geheimnistuerei reagiert, sie hätte ihm ja auch von ihrem Aufruf an Littlefinger erzählen können.

Wer wird "GoTs" neuer Superbösewicht?

Wer füllt jetzt das psychopathenförmige Vakuum, das Ramsay hinterlässt? Wer ist böse und durchtrieben genug? Ist eine Steigerung überhaupt möglich? Das führt uns zu einer nur auf den ersten Blick haarsträubenden Fantheorie. Danaerys lasse erste Anzeichen von Wahnsinn erkennen, wird gemunkelt. Sie kann nicht wirklich etwas dafür, hunderte Jahre Geschwisterehen gehen einfach nicht spurlos an der eigenen DNA vorüber. "GoT" hat schon viele Helden aufgebaut, um sich ihrer dann in Sekundenbruchteilen zu entledigen.

sky/hbo
Brüderchen und Schwesterchen.

Gleichzeitig fand man sich in Situationen wieder, in denen Antihelden auf einmal menschlich wurden. Wenn es möglich ist, einen inzestuösen Königsmörder, der Kinder aus Fenstern wirft, irgendwie lieb zu finden, dann ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis einer der strahlenden Helden auf die dunkle Seite der Macht fällt. So wie seinerzeit Darth Vader. Aber das ist eine andere Geschichte. Und die gute Danaerys redet in letzter Zeit auffällig viel vom Verbrennen, In-Schutt-und-Asche-Legen und Töten. Und dann sind da noch Brans Visionen von ihrem wahnsinnigen Vater. Das muss zwar alles nichts heißen, aber wir haben ein Auge auf dich, Danaerys.

Eine Frage in die Runde: Sieht das Bolton-Wappen mit dem gehäuteten Mann für noch jemanden dem Union Jack ein bisschen zu ähnlich?

Schließlich noch eine Anmerkung zum Metaebenen-Gespräch von Jon und Melisandre. "Vielleicht wurdest du nur zum Sterben zurückgebracht. Vielleicht wirst du nur für diesen kleinen Teil des Plans gebraucht." – "Was für ein Gott würde so etwas tun?" Welcome to our life, Jon! (Anya Antonius, 20.6.2016)

Link

Alles, was es auf derStandard.at zu "Game of Thrones" gibt, finden Sie hier.

Sendehinweis

Die Folgen der sechsten Staffel von "Game of Thrones" gibt es in der Nacht von Sonntag auf Montag – im Original oder in der synchronisierten Fassung – auf Abruf mit Sky On Demand, Sky Go und auf Sky Online. Und jeden Montagabend um 21 Uhr ist die aktuelle Episode wahlweise auf Deutsch oder Englisch auf Sky Atlantic HD zu sehen.

Gemeinsam fernsehen: Zum Staffelende am 27. Juni wird es einen Livebericht geben.

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