Deutscher Mindestlohn reicht oft nicht zum Leben

20. Juni 2016, 08:57
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Vor allem die hohen Mietkosten in manchen Städten machen die Existenzsicherung für Mindestlohnbezieher schwierig

Düsseldorf – Für Arbeitnehmer mit Mindestlohn reicht das Einkommen in vielen westdeutschen Städten wegen der hohen Mieten oft nicht zum Leben. Ein Alleinstehender mit einem Vollzeitjob von 37,7 Stunden/Woche und einem Gehalt auf Mindestlohnniveau von 8,50 Euro/Stunde komme im Monat netto auf 1.040,27 Euro Einkünfte, so die "Rheinische Post" unter Berufung auf die Regierungsantwort auf eine Linken-Anfrage.

Den durchschnittlichen Existenzbedarf alleinstehender Erwerbstätiger gab die Regierung aber mit 1.053 Euro an. Der Bedarf setze sich zusammen aus dem Hartz-IV-Regelsatz von 404 Euro, den durchschnittlichen Kosten der Unterkunft von 349 Euro sowie dem Erwerbstätigenfreibetrag von 300 Euro.

Teure Pflaster

In einzelnen Städten ist die Lücke zwischen Bedarf und Mindesteinkommen demnach noch größer als im Durchschnitt: Ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger in München habe Anspruch auf einen Mietzuschuss von 492 Euro – dieser Betrag liege um 156 Euro über dem Existenzbedarf aus einem Vollzeitjob mit Mindestlohn. In Düsseldorf zahle das Job-Center einen durchschnittlichen Mietzuschuss von 395 Euro. Gemessen an diesem Niveau bringe ein Mindestlohnjob 46 Euro zu wenig ein.

Für den Linken-Politiker Klaus Ernst bedeuten die hohen Mietbelastungen, dass der Mindestlohn deutlich erhöht werden muss. "In großen Teilen des Westens und in Ballungsgebieten hängt man mit 8,50 Euro weiter am Tropf des Staates", sagte er der "Rheinischen Post". Der Mindestlohn müsse "ganz deutlich höher liegen". (APA, 20.6.2016)

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    foto: apa/barbara gindl
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