Olympische Willkür

Kommentar19. Juni 2016, 18:33
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Bei vielen Ländern und in vielen Sportarten wurde allzu lange zugesehen

Recht geschieht ihnen, den Russen. Diese Feststellung mag in Zeiten wie diesen naheliegend sein. Und es war auch keine Überraschung, dass der Leichtathletikweltverband (IAAF) die Sperre des russischen Leichtathletikverbands verlängert hat. Die Russen waren mit vielen Dopingfällen auffällig geworden, zudem hatte einiges auf ein System dahinter hingedeutet. Nun sieht es ganz so aus, als wäre eine echte Größe in einer olympischen Kernsportart bei den Sommerspielen im August in Rio de Janeiro zum Zuschauen verurteilt. Dem Vernehmen nach soll eine Hintertür offenbleiben, könnten nachweislich "saubere" russische Leichtathletinnen und -athleten beispielsweise unter der olympischen Flagge starten.

Möglich, dass sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) so eine Reihe an Klagen erspart, deren Ausgang zumindest unsicher wäre. Wie kämen Einzelne dazu, um die Verwirklichung des Lebenstraums umzufallen, weil sich andere schuldig gemacht haben? Das wäre nicht mehr und nicht weniger als Sippenhaftung.

Das IOC muss sich den Vorwurf gefallen lassen, selbst nicht früher durchgegriffen zu haben. Bei vielen Ländern und in vielen Sportarten wurde allzu lange zugesehen. Auf systematisches Doping hat es da und dort, sommers wie winters, mehr als nur Hinweise geben. Dass es nun ausgerechnet Russland ausgerechnet in der Leichtathletik erwischt, ist einigermaßen willkürlich. (Fritz Neumann, 18.6.2016)

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