Exil und Weltenfluchten

Einserkastl19. Juni 2016, 18:44
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Das Thema Flucht zeigt, wer wir wirklich sind

Exile und Fluchten gibt es, seit es Heimat gibt. Die Menschheit weiß allerdings mit der Herausforderung der Flucht immer noch nicht allzu konstruktiv umzugehen. Trotz aller Erfahrungen, trotz aller historischen Berichte, Dokumentationen, Archive, trotz Nachrichten, trotz bewegter Bilder in Echtzeit: immerhin allesamt Möglichkeiten, sich über Fluchtgeschichte, Fluchtorte und Fluchtgründe zu informieren. Dennoch ruft Außenminister Sebastian Kurz nach australischen Zuständen, trotz besseren Wissens: Medien aller Art sind bestimmt auch in seinem Ministerium abrufbar, man weiß von den furchtbaren Zuständen in Internierungslagern und den Rückschleppungen aufs offene Meer.

Im humanistisch orientierten Europa, das anderen seine Werte als noch zu erreichende Leistung verkaufen will, nehmen die Médecins sans Frontières keine Spenden der einst nobelpreisgekrönten EU-Länder mehr an, weil sie die Doppelzüngigkeit nicht mehr ertragen wollen, als Zeichen gegen die vorherrschende Politik. Manche Asylheime brennen, manche Minister sagen "Ausrutscher" zu "Anschlag", im weltweiten Netz blüht der Hass in allen seinen Ausformungen. Die einen schleppen also Boote vom Festland weg, die anderen fischen Tag für Tag Überlebende und Leichen aus dem Salzwasser. Das Thema Flucht ist wie kaum ein anderes dafür geeignet, zu zeigen, wer wir wirklich sind. (Julya Rabinowich, 19.6.2016)

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