Russland gegen Wales und eine Blamage

19. Juni 2016, 17:01
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Ein Sieg ist für beide Teams Pflicht, ansonsten droht die doppelte Abschiedsgefahr

Toulouse – Leonid Wiktorowitsch Sluzki hat eine relativ klare Lagebeurteilung. Vor der finalen Gruppe-B-Begegnung gegen Wales am Montag (21 Uhr, Live-Ticker auf derStandard.at) bleibt dem russischen Teamchef aber auch kaum was anderes übrige als zu sagen: "Die Situation ist sehr komplex."

Einerseits sportlich, da wäre alles andere als ein Sieg der vorzeitig blamable Abschied. Andererseits rundherum, da wäre alles andere als eine vorbildlich brave Fankurve der insgesamt blamable Abschied für den WM-Gastgeber in zwei Jahren. Die Russen spielen seit den Hooliganismen gegen die Engländer in Marseille ja schon auf Bewährung.

"Ein Sieg ist Pflicht", meint Krasnodar-Stürmer Fedor Michailowitsch Smolow. Dass das leichter gesagt denn getan ist, weiß sein bei Schalke tätiger Defensivkollege Roman Petrowitsch Neustädter, der unlängst erst eingebürgerte, in der Ukraine geborene und in Kirgisistan aufgewachsene Russlanddeutsche. Mit hoher Ambition und Fanerwartung startete er. Gegen die Slowakei musste er leistungsgerecht in der Halbzeit aus dem Spiel. "Von mir wird mehr erwartet, und ich erwarte auch selbst mehr von mir", bloggt er sein Mea Culpa und verspricht: "Ich werde mit dem ganzen Team gegen Wales alles daran setzen zu gewinnen."

Sündenbock

Im Fall des Falles droht dem als Hoffnungsträger im Gerede Gewesenen nämlich die Rolle als Sündenbock. Und deshalb: "Wir haben jetzt den Anspruch an uns selbst, das letzte Spiel gegen Wales zu gewinnen. Dann haben wir vielleicht noch die Chance, in die nächste Runde einzuziehen. Und mehr zählt erstmal nicht."

Wales dagegen könnte, würde, sollte ein Remis genügen. Aber Waliser sind Waliser, die rechnen nicht. Und schon gar nicht rechnen sie herum. Statt dessen rechnen sie, erläutert Gareth Bale, der Real-Madrid-Star, wenn schon, dann nur mit sich. Und deshalb "werden wir für uns und unsere Fans kämpfen bis zum Umfallen". Dann erübrige sich auch das voreilig abwägende Zusammenzählen, "denn dann werden wir es definitiv schaffen".

Schon jetzt, das betont Bale, sei er "sehr stolz auf jeden von uns, wir haben das Schicksal in der eigenen Hand. Wenn uns das jemand vor Turnierbeginn so zugesagt hätte, hätten wir es sofort angenommen." (dpa, wei, 19.06.2016)

Mögliche Aufstellungen, Gruppe B, 3. Runde Toulouse:

Russland – Wales (21.00 Uhr, Stadium de Toulouse, SR Jonas Eriksson/SWE)

Russland: 1 Akinfejew – 3 Smolnikow, 14 W. Beresuzki, 4 Ignaschewitsch, 21 Schtschennikow – 8 Gluschakow, 13 Golowin – 9 Kokorin, 17 Schatow/11 Mamajew, 10 Smolow – 22 Dsjuba

Ersatz: 12 Lodygin, 16 Guilherme – 2 Schischkin, 6 A. Beresuzki, 5 Neustädter, 7 Jussupow, 15 Schirokow, 11 Mamajew, 18 Iwanow, 19 Samedow, 20 Torbinski, 23 Kombarow

Fraglich: Schatow (Muskelverletzung)

Wales: 1 Hennessey – 5 Chester, 6 A. Williams, 4 Davies – 2 Gunter, 10 Ramsey, 7 Allen, 16 Ledley, 3 Taylor – 9 Robson-Kanu, 11 Bale

Ersatz: 12 Fon, 21 Ward – 15 Richards, 19 Collins, 8 King, 17 Cotterill, 22 Vaughan, 13. G. Williams, 14 Edwards, 18 Vokes, 20 J. Williams , 23 Church

  • Gareth Bale will mit seinen Walisern die Russen schlagen und somit ins Achtelfinale aufsteigen.
    foto: reuters/tessier

    Gareth Bale will mit seinen Walisern die Russen schlagen und somit ins Achtelfinale aufsteigen.

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