Kiweno lockt Investoren mit Selbsttests auf Nahrungsunverträglichkeit

20. Juni 2016, 12:00
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Das österreichische Start-up gerät mit seinem Angebot in die Kritik, das Unternehmen pariert mit Gelassenheit

Wien – Das 2014 gegründete Start-up Kiweno, das Selbsttests auf Lebensmittelunverträglichkeiten anbietet, hat in seiner jungen Geschichte schon für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Zum Beispiel Ende März, als Firmenmitgründerin Bianca Gfrei in der Puls-4-Sendung 2 Minuten 2 Millionen Cash-Angebote der anwesenden Investoren ausschlug.

Dafür wollte und bekam die 26-jährige Tirolerin mit ihrem selbstbewussten Auftritt mediale Unterstützung in Form von TV-Werbung auf Pro7/Sat1/Puls 4 für Deutschland und Österreich – im Wert von sieben Millionen Euro. Daniel Zech von Seven Next Austria (Beteiligungsarm der TV-Gruppe) verlangte dafür 26 Prozent Anteile – womit Kiweno mit 26,92 Millionen Euro bewertet wäre.

Wenige Wochen später schrieb das junge Unternehmen erneut Schlagzeilen. Verschiedene Medien, darunter das Magazin Profil, bezweifelten in Berichten die Zulänglichkeit des von Kiweno eingesetzten sogenannten Immoglobulin-G-(IgG)Tests, bei dem mit ein paar Bluttropfen angeblich die Verträglichkeit auf mehr als 70 Nahrungsmittel geprüft wird. Das Fazit: ungeeignet, basierend auf Aussagen befragter Fachärzte und einer Leitlinie der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI).

Stabile Kundennachfrage

Gfrei pariert die Angriffe auf den 99 Euro teuren Test im STANDARD-Gespräch mit Gelassenheit. "Nein", antwortet sie auf die Frage, ob die Berichte zu einem Einbruch bei der Nachfrage geführt hätten. Man habe hingegen von Kunden viele positive, den Test verteidigende Rückmeldungen erhalten. "Wir haben viel von dem Feedback und der Kritik aufgegriffen und unser Wording verbessert", sagt sie. Ein bisschen spiele auch der Neid mit: Die anderen fürchteten, "dass wir ihre Patienten abgreifen".

Nicht einfach stehen lassen will sie den Vorwurf, von einem Hype profitieren zu wollen. "Jeder, der von Nahrungsmittelunverträglichkeit betroffen ist, weiß, dass es keine Einbildung ist." Dabei verweist sie auf ihre eigene Leidensgeschichte, die letztlich zur Gründung von Kiweno geführt habe.

Vom Leiden zur Idee

Jahrelang hätten auch sie diffuse Bauchschmerzen geplagt. Nach langer Odyssee sei sie bei dem Internisten Roland Fuschelberger gelandet, der festgestellt habe, dass sie einige Grundnahrungsmittel nicht vertrage. Nach einer monatelangen Diät sei es ihr besser gegangen. Gemeinsam mit dem Arzt und dessen Sohn Robert wurde die Idee geboren, den üblicherweise komplizierten und langwierigen Weg, Unverträglichkeiten festzustellen, mittels Selbsttests zu vereinfachen und abzukürzen.

Überzeugen konnten sie davon finanzkräftige Investoren wie Business-Angel Johann Hansmann und Ex-Swatch-Österreich-Geschäftsführer Rudolf Semrad. Die Frage, wie viele Tests seit dem Launch im Juni 2015 online verkauft wurden, lächelt Gfrei weg. Nur so viel: Es sei ein "erfolgreiches Jahr" gewesen. Auf Nachfragen antwortet sie: "Im Frühjahr waren es 10.000 Kunden." Die Zahl der Mitarbeiter stieg von vier auf 30.

Inzwischen wurde das Portfolio um einen Histamin- und Laktoseintoleranztest erweitert (39 bzw. 59 Euro). Im Herbst soll – auch mithilfe der TV-Spots – der deutsche Markt verstärkt bearbeitet werden. (Karin Tzschentke, 20.6.2016)

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