USA und Russland wollen sich in Syrien besser koordinieren

19. Juni 2016, 16:53
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Russlands Verteidigungsminister Schoigu in Damaskus – Türkische Grenztruppen sollen syrische Flüchtlinge erschossen haben

Damaskus/Moskau – Die USA und Russland haben nach russischen Angaben eine Vereinbarung über mehr militärische Koordination im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" getroffen. Man werde künftige eine gemeinsame Landkarte verwenden, aus der hervorgehe, welche Gruppen wo kämpfen, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Zuvor hatten die USA Russland vorgeworfen, die von den USA unterstützen syrischen Oppositionellen angegriffen zu haben.

Auf Bewegung im Konflikt deutet ein weiteres Indiz hin, über das sich Syriens Präsident Bashar al-Assad am Sonntag "erfreut" und "überrascht" zeigte. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu traf offenbar unangekündigt zu Gesprächen in Damaskus ein – der ranghöchste Besuch aus Moskau, den Assad seit Beginn des Bürgerkriegs empfangen durfte.

Weiterer russischer Soldat gefallen

Der Überraschungseffekt war offenbar dem Inspektionscharakter geschuldet: Schoigu kontrollierte in erster Linie den Luftwaffenstützpunkt Hmeimin in der Region Latakia, von dem aus auch Russland seine Luftangriffe ausführt: Er ließ sich die russischen Luftabwehrsysteme S-400 vorführen, besichtigte die Unterkünfte der Piloten und überprüfte die Vorratslager. Überschattet wurde der Besuch vom Bekanntwerden eines weiteren gefallenen russischen Soldaten.

Über den Inhalt des Treffens mit Assad wurde wenig bekannt. Der syrische Botschafter in Moskau, Ryiad Haddad, erklärte, die beiden hätten den Kampf gegen den Terrorismus und die Zukunft Syriens besprochen. "Die Situation ist sehr kompliziert und erfordert ständige Treffen." Angesichts der dürftigen Informationen sprießen die Spekulationen. Der iranische Sender Press TV sprach von einem "sehr wichtigen Besuch", da eine neue Offensive der syrischen Armee gegen den IS bevorstehe.

Moskau fordert Geduld

Der Streit zwischen Russland und den USA dreht sich vor allem darum, gegen wen sich die Schläge tatsächlich richten. Es gibt aber auch seit Monaten wiederkehrende Berichte, dass Moskau unzufrieden ist mit Assads Kriegsrhetorik. Schoigus Überraschungsbesuch könnte auch ein Zeichen an beide Seiten gewesen sein, wer die Kontrolle in Syrien hat.

Derweil werden neue schwere Vorwürfe gegen die Türkei laut. Nach Angaben aus syrischen Oppositionskreisen haben türkische Grenztruppen am Wochenende erneut Flüchtlinge erschossen. Unter den elf Getöteten seien auch zwei Frauen und vier Kinder, hieß es. Insgesamt sollen türkische Grenzwächter seit Anfang des Jahres bis zu 60 Flüchtlinge aus Syrien getötet haben. (ab, red, 20.6.2016)

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