Start-Ziel-Sieg von Rosberg in Baku

19. Juni 2016, 16:48
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Souveräner Mercedes-Auftritt bei der Premiere in Aserbaidschan: Rosberg holt seinen fünften Saisonsieg vor Vettel und Perez

Baku – Beim allerersten Formel-1-Rennen in Aserbaidschan ist Nico Rosberg auf die Siegerstraße zurückgekehrt. Der Deutsche feierte am Sonntag in Baku mit seinem Mercedes vor Sebastian Vettel (Ferrari) und dem Mexikaner Sergio Perez im Force India einen souveränen Start-Ziel-Sieg. Weltmeister Lewis Hamilton wurde nur Fünfter, Rosberg hat damit in der WM wieder 24 Punkte Vorsprung.

Die Premiere des Großen Preis von Europa im heißen Kaukasus strafte jene Skeptiker Lügen, die auf dem superschnellen aber teils sehr engen Stadtkurs in der Hauptstadt Unfälle und Safety-Car-Phasen befürchtet hatten. Vielmehr kamen die Piloten nach dem Start diszipliniert durch die ersten Kurven und auch danach blieben auf der pittoresken Strecke selbst die im Training so zahlreich gesehenen Verbremser fast durchgehend aus.

Ohne Probleme

Rosberg, dessen Vorsprung in der WM auf Hamilton nach drei enttäuschenden Rennen bis auf neun Punkte geschmolzen war, nutzte seine am Samstag souverän herausgefahren Pole perfekt. Der Deutsche raste vorne weg, wechselte bei mehr als 25 Sekunden Vorsprung nur einmal die Reifen und brachte im achten Rennen seinen fünften Saison-Triumph problemlos nach Hause.

"Jawohl! Ein ganz wichtiger Sieg", jubelte Rosberg, der den Siegerpokal aus der Hand von Staatschef Ilham Aliyev persönlich entgegennahm. Mit seinem insgesamt 19. Sieg in einem Formel-1-Rennen hat er wieder Distanz zwischen sich und den zuletzt stark aufgekommenen Titelverteidiger Hamilton gebracht. Fragen über den WM-Stand wich er aus. "Zunächst genieße ich einmal den Sieg. Das ist es, weshalb ich hierher gekommen bin."

Hamilton war nach Bestzeiten in allen drei Baku-Trainings, aber einem unnötigen Unfall im Qualifying freilich nur von Platz zehn aus in das 51 Runden betragende Rennen auf dem 6.003 Meter langen Straßenkurs gestartet. Nach seinen Siegen in Monaco und Kanada klagte Hamilton zudem ab Mitte des Rennens wegen eines falschen Motor-Settings über Hybrid-Probleme an seinem Silberpfeil. Irgendwann fand er trotz ausbleibender, weil verbotener Funk-Information doch den richtigen Knopf – mehr als eine Schadenbegrenzung mit Rang fünf war am Ende für den Champion aber nicht drin.

"Ich habe ständig aufs Display geschaut und versucht herauszufinden, was los war. Das ist ja wirklich lächerlich", erklärte Hamilton im RTL-Interview. "Gegen Ende des Rennens hat es sich irgendwie wieder in Luft aufgelöst." Das Problem beschrieb er wie folgt: "Die Power hat einfach gefehlt, im Grunde für das ganze Rennen."

Die Kappe des Teams

Laut Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wurde die Energie bei beiden Autos "nicht korrekt umgewandelt", er nahm das Problem auf die Kappe des Teams. Die Frage, warum Rosberg viel schneller als Hamilton auf die Lösung des Problems kam, muss sich der Engländer aber gefallen lassen.

Die Hoffnungen von Red Bull, im letzten Rennen vor dem großen Heimauftritt am 3. Juli in Österreich auf dem neuen Baku City Circuit zumindest einen Podestplatz zu erobern, erfüllten sich nicht. Und das, obwohl Daniel Ricciardo neben Rosberg aus der ersten Reihe losgefahren war.

Der Australier kam als Erster an die Box und tauschte die Supersofts gegen die Softs. Kurz vor Halbzeit ging Ricciardo aber beim – wieder einmal – nicht perfekten Boxenstopp nochmals eine Stufe härter und fuhr das Rennen bei 32 Grad Luft- und mehr als 40 Grad Streckentemperatur auf den Mediums und auf Platz sieben fertig. Teamkollege Max Verstappen punktete als Achter.

Keine Erklärung von Pirelli

Motorsport-Konsulent Helmut Marko erklärte das enttäuschende Resultat mit einer unerwartet hohen Abnützung der Soft-Reifen. "Die sind nach wenigen Runden komplett eingebrochen. Pirelli hat keine Erklärung dafür", verwies der Steirer auf den Hersteller. "Wenn wir gleich gewechselt hätten, wären wir weiter nach vorne gefahren", fügte er hinzu.

Der viertplatzierte Kimi Räikkönen schimpfte zwischendurch wie ein Rohrspatz, weil er die Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, die er wegen Überfahrens der Linie bei der Boxeneinfahrt bekommen hatte, wettmachen wollte. Der letzte Platz auf dem Stockerl ging aber nicht an den Finnen im Ferrari, sondern an Sergio Perez im Force India. Räikkönens Landsmann Valtteri Bottas, für dessen Williams am Samstag auf der längsten Geraden der Formel 1 inoffiziell 378 km/h abgelesen worden waren, wurde vor Ricciardo Sechster.

Völlig daneben ging das letzte Rennen vor Spielberg für das zweite Mateschitz-Team Toro Rosso, das kein Fahrzeug ins Ziel brachte. Sowohl Daniil Kwjat als auch Carlos Sainz fielen mit Defekten aus. (APA, 19.6.2016)

Ergebnis: GP von Europa

  • Gut gemacht Nico Rosberg.
Gut gemacht Baku.
    foto: apa/afp/kirill kudryavtsev

    Gut gemacht Nico Rosberg.

    Gut gemacht Baku.

  • Springen, wenn man gewinnt.
    foto: reuters/shemetov

    Springen, wenn man gewinnt.

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