Registrierkasse: Wenn der Beleg krank macht

20. Juni 2016, 05:30
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Viele Händler und Gastrobetriebe haben sich einen Thermodrucker für ihre Belege zugelegt. Doch das dabei verwendete Papier könnte krank machen

Wien – Registrierkassen samt Belegen, die von den dazugehörigen Druckern ausgestellt werden, sind erst seit Jahreswechsel bei jedem Kauf und bei jeder Konsumation Pflicht. Jetzt aber stehen schon die ersten Änderungen ins Haus. "BPA in Thermopapier wird demnächst mit einer entsprechenden Übergangsfrist verboten", beschied Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) kürzlich in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung dem FPÖ-Abgeordneten Josef A. Riemer.

BPA, das steht für Bisphenol A. Es ist eine Chemikalie, mit der Thermopapier häufig beschichtet wird. Die Substanz steht im Verdacht, hormonell wirksam und gesundheitsschädigend zu sein. Solches Thermopapier wiederum wird seit der Registrierkasseneinführung besonders häufig eingesetzt. Denn Thermodrucker und -papier sind eine kostengünstige Lösung für Handel und Gastronomie. Geschätzt wird, dass das Thermopapier, das in Österreich dafür täglich verwendet wird, mehrere Hundertausend Meter lang ist. Schließlich nimmt jeder Mensch pro Tag etwa zwei solcher Belege in die Hand – für Kassenquittungen, Tankbelege oder Restaurantrechnungen.

Global 2000: Risken nicht berücksichtigt

Nun müssen Händler und Gastronomen, die pflichtschuldig einen Thermodrucker angeschafft haben, nicht um ihre Investition bangen, denn es gibt Alternativen. Allerdings könnte ein Preisschub bei den Papierrollen zu erwarten sein, wenn nur mehr BPA-freies Papier verwendet werden darf. Das Verbot, auf das sich Umweltminister Rupprechter bezog, wird für die ganze EU gelten. Erst im Februar wurden die Grenzwerte für BPA von der EU-Kommission herabgesetzt.

"Ich finde es beunruhigend, wenn die politisch Verantwortlichen die Registrierkassenpflicht einführen, ohne solche Risiken zu berücksichtigen", sagt Helmut Burtscher, Chemiker bei der Umweltorganisation Global 2000.

foto: cremer
Das bei den Registrierkassendruckern verwendete Papier ist alles andere als konsumentenfreundlich. Wahrscheinlich wird das gängigste Thermopapier demnächst verboten.

Viele Papierhändler bieten bereits "bisphenolfreies" Papier an, doch wie so oft steckt der Teufel im Detail: Neben BPA gibt es auch andere Bisphenole, die als Beschichtung von Thermopapier verwendet werden können, vor allem das chemisch verwandte BPS. Von diesem Stoff aber ist noch weniger bekannt, wie er wirkt. Eine belgische Behörde, so Rupprechter, prüft derzeit. Was die Ankündigung "bisphenolfrei" also im Verkauf genau bedeutet, ist nicht ganz klar. Das Papier könnte auch lediglich "Bisphenol-A-frei" sein.

Jedenfalls gibt es ein umfangreiches Online-Handelsangebot von teilweise ausländischen Anbietern. In Österreich, so der Papier-Fachverband Propak, wird kein Thermopapier hergestellt.

Servierpersonal exponiert

Da Bisphenol über die Haut aufgenommen wird, sind Handelsangestellte und Servierpersonal mit ihrem häufigen Zettelkontakt besonders exponiert. Frankreich hat reagiert und ein Verbot von bisphenol-A-haltigen Materialien für Verpackungen und Behältnisse ausgesprochen, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen. Wenn man schwanger ist, sollte man den Kontakt auf ein Minimum beschränken, erläutert Burtscher, da immer wieder Erbgutschädigungen damit in Zusammenhang gebracht werden.

Die großen Handelsketten in Österreich haben bereits auf komplett bisphenolfreies Thermopapier umgestellt. Wie viel von solchem Thermopapier in Österreich in Umlauf ist beziehungsweise wie viel österreichische Händler vorsorglich auf Vorrat gekauft haben, ist nicht bekannt.

Weltweit werden nur 0,2 Prozent der BPA-Produktion für die Beschichtung von Thermopapier verwendet. Das Gros geht in die Beschichtungen von (Lebensmittel-)Dosen oder wird bei Plastikflaschen verwendet. Bei Schnullern gibt es zumindest in Österreich ein Bisphenol-Verbot.

Ins Altpapier soll man die Thermo-Rechnungen auch nicht werfen. Weil sie chemische Bomben sind, gehören die Belege in den Restmüll. (Johanna Ruzicka, 20.6.2016)

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