England vs. Slowakei: Prozentrechner und Motivationsmajestäten

19. Juni 2016, 16:34
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Gegen die Slowakei will England nicht nur den Aufstieg ins Achtelfinale als Gruppensieger fixieren, sondern sich mit einem Sieg Kraft für die Finalrunden holen

St. Etienne – Die Engländer könnten wohl auch verlieren. Aber das passt so gar nicht ins Konzept gegen die Slowakei. Das Spiel Am Montag (21.00 Uhr, Liveticker auf derStandard.at) soll gewonnen werden, nur so braucht man keine Hilfe von Wales, Russland oder zwei anderen Gruppendritten. Aber weder da noch dort will man an sowas denken. Sondern, quasi, im Gegenteil. Das Rechnen wird anderen überlassen.

Der alten Tante Times zum Beispiel, die recht anschaulich vorrechnet, wieviel für und wieviel gegen das Ausscheiden spricht. "Zu 99,9 Prozent ist England weiter. Es war aber auch zu 99,9 Prozent sicher, dass Leicester City nicht die Premier League gewinnt." Weshalb sie gleich einmal den Verbandspräsidenten einfliegen werden. Prinz William! "Denkt daran, die Nation steht hinter euch", ließ er den Kickern schulterklopfend ausrichten. Und es ist nicht überliefert, wie diese einen solchen Motivationsschub verdaut haben. Vielleicht gar nicht.

Dem Vernehmen nach ließ England – den holprigen Turnierstart wacker ignorierend – sich das prinzliche Mahnwort eher zu Kopf steigen, wo es sich in einen Traum verwadelte. Verbandschef Greg Dyke erläuterte diesbezüglich ohne Ironie die Zielvorgabe: "Das Halbfinale wäre großartig. Das Viertelfinale, wenn wir wirklich gut gespielt haben, auf eines der besten Teams treffen und dabei verlieren oder im Elferschießen ausscheiden." Elferschießen! England!

England und der Punkt

Bevor man angesichts des bisherigen grinst darob, sollte man sich an die Prozentrechnung der Times erinnern. Jamie Vardy sagt nämlich: "Wenn du mit dem Gedanken ins Turnier gehst, dass du nichts schaffst, wirst du niemals was erreichen. Du musst dir immer das maximale Ziel setzen. Es macht keinen Sinn, vor irgendeinem Team Angst zu haben."Und Jamie Vardy – genau – ist der Teamkollege von Österreichs Kapitän Christian Fuchs, dem 99,9 Prozent aller Statistiker attestiert hatten, nicht Meister der Premier League zu werden. Die nämliche Rechnung gilt – so ist es beim Kicken der Brauch – natürlich auch für den Gegner, dessen Anwesenheit alles bis zur Undurchschaubarkeit verkompliziert, wie man einander einst in den frühen Existenzialistenkreisen versichert hatte.

Es könnte also, wollte Jean-Paul Sartre damit sagen, sein, dass England nicht gewinnt, sondern die Slowakei.Spielführer und Siegtorschütze beim 2:1 über Russland, Marek Hamšik von Napoli, erinnert die Seinen daran, die Erinnerungen fahren zu lassen: "Wir sollten uns nicht zu sehr auf dieses Resultat gegen Russland konzentrieren." Denn: "Wir spielen jetzt gegen das stärkste Team der Gruppe." Erinnerungen wären auch für die Briten wohl eher schädlich. Es war die Weltmeisterschaft 1998, Achtelfinale gegen Argentinien, schönes Tor des damals 18 Jahre alten Michael Owen, Rote Karte für David Beckham nach einer Tätlichkeit gegen Diego Simeone, 2:2 nach Verlängerung, David Batty scheitert im Elfmeterschießen. England! Elferschießen!

Weiser Weiss weiß

Der slowakische Midfielder Vladimir Weiss, einst bei Manchester City, nunmehr in Katar in Arbeit, gibt sich sehr zuversichtlich für den Aufstieg des EM-Debütanten, wozu mit ziemlicher Sicherheit ein Remis reichen würde. Das solle, meint er weise, doch drinnen sein. "Wir kennen ja das englische Team sehr gut, das ist ein Vorteil für uns."Wer diesen Vorteil nutzen darf, steht noch im Notizblock von Coach Jan Kozak. So wie der englische Sturm (Vardy von Anfang an?) in dem des britischen Cheftrainers Roy Hodgson. (sid, wei, 19.6.2016)

Mögliche Aufstellungen, Gruppe B, 3. Runde, Saint-Etienne:

Slowakei – England (21.00 Uhr, Stade Geoffroy Guichard, SR Carlos Velasco Carballo/ESP)

Slowakei: 23 Kozacik – 2 Pekarik, 3 Skrtel, 4 Durica, 15 Hubocan – 22 Pecovsky – 19 Kucka, 17 Hamsik – 20 Mak, 7 Weiss – 8 Duda

Ersatz: 1 Mucha, 12 Novota – 5 Gyömber, 14 Skriniar, 18 Svento, 16 Salata, 6 Gregus, 13 Hrosovsky, 10 Stoch, 9 Sestak, 11 Nemec, 21 Duris

England: 1 Hart – 2 Walker, 5 Cahill, 6 Smalling, 3 Rose – 20 Alli, 17 Dier, 10 Rooney – 8 Lallana, 11 Vardy, 15 Sturridge

Ersatz: 13 Forster, 23 Heaton – 12 Clyne, 16 Stones, 21 Bertrand, 4 Milner, 14 Henderson, 18 Wilshere, 19 Barkley, 7 Sterling, 9 Kane, 22 Rashford

  • Jamie Vardy und die Party.
    foto: apa/afp/philippe huguen

    Jamie Vardy und die Party.

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