In der Schweiz wählen 80 Prozent per Briefwahl

19. Juni 2016, 16:36
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Seit 1994 flächendeckend möglich – Keine Schwierigkeiten mit korrekter Auszählung

In der Schweiz ist das Thema Briefwahl kein Aufreger: Seit über 20 Jahren ist das System etabliert. Mittlerweile stimmt und wählt die Mehrheit per Briefpost. Man spricht zwar gelegentlich noch von einem Urnengang, wenn es um eine Abstimmung geht, und der Autor erinnert sich, wie er als Kind mit seinem Vater stolz den feierlichen Gang ins Wahllokal mitmachen und den Stimmzettel in die Urne werfen durfte (die Frauen erhielten das Stimm- und Wahlrecht in der Schweiz erst 1971). Für unsere Generation gehörte bis in die Neunzigerjahre der Gang zur Urne viermal jährlich zum Programm, danach wurde er abgelöst durch den Gang zum nächsten Briefkasten, wo man das Stimmkuvert einwarf.

Erste Briefwahl 1978

1978 führten erste Schweizer Kantone die Briefwahl ein, seit 1994 ist sie in der ganzen Schweiz möglich. Laut René Lenzin von der schweizerischen Bundeskanzlei nutzen mehr als 80 Prozent der Stimmberechtigten mittlerweile diese Möglichkeit. Von Problemen wie in Österreich ist in der Schweiz nichts bekannt: Weder bei der Bundeskanzlei noch beim Stadtberner Stimmregisterbüro erinnert man sich an Fälle, wo die Briefwahl wegen gravierender Probleme zu reden gegeben hätte. Und dies, obwohl es immer wieder knappe Resultate gab und gibt: So wurde 2004 eine Wahl in die Berner Stadtregierung mit 20.752 zu 20.758 Stimmen entschieden, also mit sechs Stimmen Unterschied, und vor einem Jahr wurde das neue Schweizer Rundfunkgesetz mit 50,08 Prozent Ja-Stimmen angenommen, mit 4000 Stimmen Vorsprung.

Auszählung am Samstag vor Urnengang

Anders als in Österreich werden die Briefwahlstimmen nicht erst am Tag nach der Abstimmung ausgezählt: "Wir dürfen bereits am Donnerstag vor dem jeweiligen Urnengang mit der Behandlung der brieflichen Stimmabgaben beginnen", erläutert die Berner Vize-Stadtschreiberin Monika Binz das Vorgehen. "Dies umfasst die Öffnung der Kuverts, die Prüfung der Gültigkeit der brieflichen Stimmabgaben, das Sortieren sowie Abstempeln der Stimm- und Wahlzettel. Die Auszählung der Stimm- und Wahlzettel darf indes erst am Samstag vor dem Urnengang um 8 Uhr beginnen." Wenn sonntags um 12 Uhr die Wahllokale schließen, dann sind die brieflichen Stimmen bereits ausgezählt. Die Resultate werden aber nicht gesondert publiziert, sondern nur das Gesamtresultat. (Klaus Bonanomi aus Bern, 20.6.2016)

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