Tausende Festnahmen bei umstrittenem Großeinsatz in Bangladesch

19. Juni 2016, 15:13
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Opposition und Menschenrechtsorganisationen kritisieren den einwöchigen Einsatz

Dhaka – In Bangladesch sind bei einem landesweiten Anti-Extremismus-Einsatz mehr als 12.000 Menschen festgenommen worden. Rund 200 von ihnen seien Mitglieder radikaler islamistischer Gruppen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Vertreter von Opposition und Menschenrechtsorganisationen kritisierten den einwöchigen Großeinsatz.

Seit Anfang 2013 leidet das muslimische Land Bangladesch mit seinen rund 160 Millionen Einwohnern unter einer Serie islamistisch motivierter Angriffe. Opfer sind Religionskritiker, Intellektuelle und Angehörige religiöser Minderheiten. Die Angriffe laufen meist nach einem ähnlichen Muster ab: Eine Gruppe vermummter Männer schlägt und sticht mit Messern und Macheten auf ihr Opfer ein und flieht unerkannt, meist auf Motorrädern.

Mitglieder der Opposition verhaftet

Zu den meisten Attacken bekannten sich islamistische Organisationen wie Al-Kaida und der "Islamische Staat" (IS) oder lokale Organisationen, die mit ihnen verbunden sind. Die Regierung bestreitet jedoch, dass der IS in Bangladesch aktiv ist. Sie macht unter anderem die oppositionelle islamistische Partei Jamaat-e-Islami verantwortlich. Deren Generalsekretär nannte den jüngsten Großeinsatz in einer Mitteilung unmenschlich und illegal. Zahlreiche Mitglieder seiner Partei seien ohne Grundlage festgenommen worden, sagte er. Auch die nicht als islamistisch eingestufte Oppositionspartei BNP erklärte, mehr als 2000 der Verhafteten stammten aus ihren Reihen.

In Medienberichten werden Polizisten beschuldigt, Festgenommene nur gegen Bestechungsgelder wieder freizulassen. Asaduzzaman Khan Kamal, Heimatminister von Bangladesch, widersprach vor Journalisten beiden Anschuldigungen: "Wir haben niemanden illegal oder aus politischen Gründen verhaftet."

Kritik an Wahllosigkeit der Razzien

Nichtregierungsorganisationen bezeichnen es zwar als notwendig, dass Bangladesch stärker gegen sein Problem mit Islamisten vorgeht, kritisieren aber die Wahllosigkeit der Razzien. "Die Behörden sind gegen die üblichen Verdächtigen vorgegangen, anstatt fokussiert zu ermitteln", sagte Brad Adams, Asienchef von Human Rights Watch. "Das vermittelt wenig Vertrauen, dass die Morde aufhören oder dass nun geregelte Verfahren folgen."

Noch während des Großeinsatzes meldete die Polizei am Donnerstag die nächste Attacke: Unbekannte hatten einen hinduistischen Dozenten einer Universität in Südbangladesch mit Macheten angegriffen. Er überlebte den Angriff verletzt. (APA, 19.6.2016)

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