Trianguläre Ausgeglichenheit gegen rotweißroten Eternit

Infografik19. Juni 2016, 15:22
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Während die ballbesitzlose Defensivleistung von Beginn an malheurlos ablief, verhedderte sich das Spiel nach vorn nicht nur in portugiesischen, sondern zu oft in den eigenen Beinen

Das Passnetzwerk der Österreicher im Spiel gegen Portugal stellte eine Reaktion im doppelten Sinn dar: Einerseits waren die Rotweißroten genötigt, auf die spielerische Dominanz der Portugiesen zu reagieren, und andererseits sollte eine selbstverschuldete Hektik wie gegen Ungarn durch robusteren Spielaufbau vermieden werden. Während die ballbesitzlose Defensivleistung von Beginn an verhältnismäßig malheurlos ablief, verhedderte sich das Spiel nach vorn nicht nur in portugiesischen, sondern zu oft in den eigenen Beinen.

Die Spielzüge, Pässe und Zweikämpfe werden codiert, statistisch und netzwerkanalytisch ausgewertet und interpretiert. Das Passnetzwerk bildet die Ballwege zu den drei wichtigsten Partnern jedes Spielers ab, die Kreisgrößen zeigen die Summe der Pässe.

Die taktische Anlage, der vermeintlich in die Jahre gekommenen portugiesischen Innenverteidigung mit einem antrittsschnellen und beweglichen Stürmer (Harnik) zuzusetzen, scheiterte an der mangelnden Zufuhr an brauchbaren vertikalen Impulsen. Ohne den verletzten Junuzovic klaffte eine Lücke im Zentrum auf, die David Alaba in keiner Weise zu schließen vermochte. Erst die Einwechslung von Alessandro Schöpf brachte deutlich mehr Gefahr ins Angriffsspiel.

Die Analysen werden von einer chronologischen Aufzeichnung des Spielverlaufs begleitet, die, in Abstände von fünf Minuten zerlegt, die Anzahl der Pässe und der Zweikämpfe der beiden Mannschaften veranschaulicht und so die Aktivitätskurve der Mannschaften am Ball und "am Mann" über die gesamte Spielzeit verdeutlicht.

Rechtsverteidiger Florian Klein mutierte in der taktischen Typologie (siehe Graphik) diesmal zu einem der Schlüsselspieler, was sich auch in der Symmetrie des Passnetzwerks dokumentiert. Dabei hatte er mit dem zusehends zum Zentrum neigenden Cristiano Ronaldo weniger Scharmützel als sein Pendant Christian Fuchs mit dem portugiesischen "Cock on speed" Ricardo Quaresma auf dem linken Flügel.

Die Grafik zur taktischen Typologie setzt die Rollen der Spieler ins Verhältnis zur Performance ihres Teams. Sämtliche Werte des Passspiels (x-Achse) bzw. des Zweikampfverhaltens (y-Achse) werden über den Wert 1 normalisiert. Die Anzahl der Pässe setzt sich aus gegebenen und angenommenen Pässen zusammen, die der Zweikämpfe aus aktiven, passiven, ungerichteten Zweikämpfen. Der Wert des Einzelspielers weist seine Position innerhalb der Gesamtperformance aus und verortet ihn in Bezug auf seine taktischen und spielerischen Aufgaben.

Das portugiesische Passnetzwerk strotzte vor triangulärer Ausgeglichenheit, fand jedoch keine hinreichenden Mittel, Löcher in den rotweißroten Eternit zu bohren. William Carvalho gab den Wasserträger, Moutinho und Gomes die Taktgeber, während sich das Sturmtrio Ronaldo-Nani-Quaresma mit der beinahe lückenlosen Überwachung durch die österreichische Defensive abmühte. (Helmut Neundlinger, 19.6.2016)

Analytikerinnen und Analytiker

FASresearch war bei den Weltmeisterschaften 2006, 2010 und 2014 sowie bei den Europameisterschaften 2008 und 2012 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den STANDARD auch die laufende EURO in Frankreich.

Team: Harald Katzmair, Helmut Neundlinger, Ruth Pfosser, Andrea Werdenigg, Agnes Chorherr, Philipp Angermaier, Michael Schütz

fas-research.com

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