Sanktionen gegen Kroatiens Verband gewiss

19. Juni 2016, 16:40
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Empfindliche Strafe droht – Uefa untersucht zudem Vorkommnisse rund um Fans von Belgien, Ungarn, Portugal und der Türkei

Paris – In Minute 86 brannten die Sicherungen durch. Trotz 2:1-Führung ihrer Mannschaft gegen Tschechien am Freitagabend warfen kroatische Zuschauer Knallkörper und bengalische Feuer auf das Spielfeld, auf den Rängen entwickelten sich Schlägereien. Ein Ordner wurde durch einen Böller verletzt. Die Partie wurde für vier Minuten unterbrochen. Danach gelang den Tschechen noch der Ausgleich.

Die Vorfälle haben ein Nachspiel. Ein Urteil der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkommission des europäischen Fußballverbands wird für Montag erwartet. Kroatien spielt am Dienstag (21 Uhr) gegen Spanien um den Sieg in der Gruppe D. Von einer hohen Geldstrafe bis zum EM-Aus auf Bewährung wie bei den Russen ist alles möglich. "Wir haben alles getan, um Zwischenfälle zu vermeiden", teilte der Verband mit.

Die Liste der Fan-Verfehlungen bei der EURO wird immer länger. Die Uefa ermittelt mittlerweile auch gegen die Verbände Belgiens, Ungarns, Portugals und der Türkei. Empfindliche Geldstrafen durch die Disziplinarkommission unter dem Vorsitz des Österreichers Thomas Partl könnten die Verbände treffen. In den Fanblocks der Türkei, Belgiens und Ungarns waren am Wochenende Bengalos gezündet und Gegenstände geworfen worden. Bei der Partie der Türken gegen Spanien (0:3) in Nizza soll zudem ein Anhänger versucht haben, den Platz zu stürmen. Am Dienstag will die Kommission über die Strafe Ungarns entscheiden, deren Anhänger das 1:1 gegen Island ebenfalls mit Feuerwerkskörpern gefeiert hatten.

Vor den gewaltbereiten Hooligans, die vor dem 2:2 zwischen Kroatien und Tschechien im Stade Geoffroy-Guichard in sozialen Netzwerken sogar einen Spielabbruch angekündigt hatten, sei "gewarnt" worden. "Das sind Staatsfeinde, die ihre Mannschaft und ihr Land hassen", sagte die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic: "Schämt euch!" Trainer Ante Cacic sagte: "Wir senden ein hässliches Bild in die Welt. Aber das ist nicht Kroatien."

Häufige Vorfälle

Allerdings fielen kroatische Fans schon des Öfteren negativ auf. Knapp eine Million Euro musste der Verband HNS in den vergangenen zehn Jahren an die Uefa überweisen. Ein besonders hässlicher Vorfall ereignete sich im Juni 2015, als kroatische Fans den Rasen im Poljud-Stadion in Split vor dem EM-Quali-Spiel gegen Italien so mit Chemikalien behandelten, dass ein riesiges Hakenkreuz zu sehen war.

"Sie werden uns nicht rauswerfen", sagte Verbandsboss Davor Suker (48). Die radikalen HNS-Gegner, die für die Ausschreitungen in Saint-Étienne verantwortlich waren, rebellieren vor allem gegen den Vizepräsidenten Zdravko Mamic, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Machtmissbrauchs und Steuervergehen ermittelt. In den Augen der Gegner führt Mamic den Verband mit Suker als Marionette auf mafiöse Art und Weise – und immer zum persönlichen Vorteil.

"Wir hatten unsere Quellen. Wir wussten, was passieren kann. Wir haben die Polizei und alle relevanten Stellen darüber informiert", sagte Miroslav Markovic, der Sicherheitsexperte des Verbandes: "In der Pause haben wir sogar die Information bekommen, dass es exakt in der 85. Minute losgehen soll." Die Hooligans kämen "aus der Szene von Hajduk Split".

Der Präfekt des Départements Loire, Evence Richard, gibt derweil auch der Uefa die Schuld. Sie sei "für die Sicherheit in den Stadien zuständig", sagte er der "L'Equipe": "Es haben 150 bis 200 Ordnungskräfte gefehlt. Die Eingangstore wurden mit 30 Minuten Verspätung geöffnet. Ein Zugang blieb die ganze Zeit verschlossen. 2000 bis 3000 Fans haben ihren Platz erst nach dem Anpfiff erreicht." (sid, APA, red, 19.6.2016)

  • Ein Ordner versucht einer Leuchtrakete Herr zu werden. Im kroatischen Fanblock waren die Sicherungen durchgebrannt.
    foto: reuters/max rossi livepic

    Ein Ordner versucht einer Leuchtrakete Herr zu werden. Im kroatischen Fanblock waren die Sicherungen durchgebrannt.

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