Der Austrianer rettet Österreich

18. Juni 2016, 23:13
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Robert Almer und dann lange nichts. Das Nationalteam gibt gegen Portugal viel, vielleicht alles. Heraus kam weniger, am Ende aber ein Punkt

Robert Almer: Sturm- und Hagelversicherung des ÖFB am diesmal trockenen Pariser Abend. Behielt in Minute zwei die Oberhand gegen Ronaldo. Mit langem Bein Retter gegen Nani und Sekunden später mit einer Parade bei Knaller Vieirinhas zugegen (13.). Tauchte knapp vor der Stundenmarke Ronaldos Fernmaßnahme aus dem Eck. Mentalisierte schließlich des Pfauen Penalty schnurgerade an die Stange. Überirdisch.

Florian Klein: Gut zu tun mit leichtfüßigen Lusitaniern, sei es Gomes, sei es Nani, sei es Ronaldo. Oder allen dreien. Unsicheres Passspiel. Verfiel, je länger es ging, immer mehr dem blindwütigen Ausputzer. Ruderte mit den Kollegen in einem unkoordinierten, doch heroischen Abwehrgerangel.

Sebastian Prödl: Der heutige Dragovic. Früh zu spät und in der Folge vernascht vom fluiden Nani. Bei Standards Schatten des aufrückenden Pepe. Raufte ebensosehr mit mangelnder Taktung zu den Nebenmännern, wie mit dem Spritzigkeitsüberschuss der Widerparte.

Martin Hinteregger: Sah sich plötzlich einem hinterrücksen Abschlag Almers hautnah gegenüber. Minimales Abstimmungsproblem, nicht das letzte. Schmiss sich mit Todesverachtung in recht hoher Not dem aufreibenden CR7 entgegen (30.). In inniger Umarmung mit eben jenem niedergleitend, wird Almer in Gedanken dauerabgebusselt haben. Leidend am gemeinen Clevernessdefizit.

Christian Fuchs: Mit Quaresma wurde ihm ein äußerst viriles Gegenüber serviert. Erste Offensivandeutung folglich erst nach einer Viertelstunde. Danach kam in dieser Richtung nicht mehr viel. Eigentlich gar nichts. Mehrfach zweiter Sieger, der zunehmend zu Brachiallösungen Zuflucht nehmen musste.

Julian Baumgartlinger: Willig wie immer und wie eh alle. Trotzdem lief vieles ins Nichts. Es war, als ob man in ein Tretlager im Leerlauf kurbelt. Manchmal schmerzte es ein bisschen, das sehen zu müssen. Verlor Nani vor dessen Kopfball ans Aluminium aus dem Blick.

Stefan Ilsanker: Versuchte das Mögliche, schleppte in seinem Bemühen, den wieselig kreiselnden Gegnern zu folgen einen Schuss Verlorenheit mit sich. Blockte Ronaldos Streben nach dem Ball kurz vor der Pause; Teilerfolg. Riss Portugals Keeper Rui Patricio unmittelbar nach Wiederbeginn mittels Weitschuss dessen erste (und letzte) Parade heraus.

Martin Harnik: Der heutige Janko. Schraubte sich an eine Sabitzer-Flanke heran, hob dabei möglicherweise um ein Alzerl zu früh ab und konnte der Haut nicht mehr ganz die gewünschte Direktion mitscherzeln. Wirkte jedoch in seiner neuen Rolle etwas mehr bei sich als gegen Ungarn. All das galt allerdings nur für die Frühphase der Partie, danach entfernte sich das Geschehen zusehends von seiner Umlaufbahn.

David Alaba: Spielte eine klarer definierte Rolle. Weiter nach vorne verschoben als zuletzt, erster in der Etappe hinter Prellbock Harnik. Doch auch dort ging nicht viel auf. Fehlpasses galore (Quote: 60 Prozent). Zerfahrenheit mochte nicht von ihm weichen, es schien als ging ihm manchmal Zeit und Raum verloren. Koller beendete sein Leiden nach 65 Minuten.

Marko Arnautovic: Wenn, dann defensiv tätig. Generell eigenartig blutleer. Keine Läufe, keine Schlenker, noch nicht einmal ein Scharmützel zettelte der sonst so Extrovertierte an.

Marcel Sabitzer: Der heutige Harnik. Sehr vielversprechende Flanke auf den echten Harnik gleich nach Beginn. In der Folge in Isolation am Rande der Verschmachtung.

Alessandro Schöpf (ab 65.): Schwer, schwer, schwer, in so einen Verlauf geschmissen zu werden.

Lukas Hinterseer (ab 85.): Schwer, schwer, schwer, in so einen Verlauf geschmissen zu werden.

Kevin Wimmer (ab 87.): Schwer, schwer, schwer, in so einen Verlauf geschmissen zu werden. Oder auch nicht, schließlich konnte der Impakt im vorliegenden Szenario ja eigentlich nur ein positiver sein. (Michael Robausch, 18.6. 2016)

  • Küss die Stange, Ball!
    foto: afp/medina

    Küss die Stange, Ball!

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