IWF verschärft Warnungen vor Brexit

18. Juni 2016, 09:02
24 Postings

Land könnte bis 2019 fünfeinhalb Prozent seiner Wirtschaftskraft verlieren

Washington/London – Ein EU-Austritt würde Großbritanniens Wirtschaft nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) kräftig ausbremsen. Schlimmstenfalls könnte das Land bis 2019 rund fünfeinhalb Prozent seiner Wirtschaftskraft verlieren im Vergleich zu einem Verbleib in der Europäischen Union, hieß es in einer am Freitagabend (Ortszeit) in Washington veröffentlichten IWF-Analyse.

Falle der Trennungsprozess weniger radikal aus und werde das Land nicht abrupt von allen Vorteilen der Gemeinschaft ausgeschlossen, bleibe immer noch eine Einbuße bei der Wirtschaftsleistung von eineinhalb Prozent.

"Ein Ausscheiden würde wahrscheinlich substanzielle wirtschaftliche und finanzielle Kosten nach sich ziehen", warnte der IWF. Schon die Wachstumsverlangsamung im ersten Halbjahr dieses Jahres sei zumindest teilweise eine Folge der Unsicherheiten, die auf das britische Referendum am kommenden Donnerstag zurückgingen. Sollten die Briten tatsächlich die EU verlassen, müsse es dem Land in erster Linie darum gehen, alles zu tun, um mehr Stabilität und Sicherheit zu schaffen. "Wenn das Land sich entscheidet, in der EU zu bleiben, wird das Wachstum im späteren Jahresverlauf wieder anziehen und in den nächsten Jahren stabil bleiben."

Der größte Risikofaktor nach einem Brexit-Votum dürfte laut IWF sein, wie der Herauslösungsprozess ablaufe. Unter anderem müsse Großbritannien dann zum Beispiel die Grundlagen für seine Handelsbeziehungen mit 60 Nicht-EU-Ländern neu aushandeln. Die Gespräche dürften Jahre dauern. Das könnte wiederum in der Wirtschaft, bei den Konsumenten und den Investoren Zurückhaltung auslösen, die sich letztlich auch an den Finanzmärkten bemerkbar machten. Je länger diese Phase der Unsicherheit andauere, desto größer werden den Fonds-Experten zufolge die Kosten sein. (APA, 18.6.2016)

Share if you care.