Morata, Nolito, Morata – Spanien siegt 3:0

17. Juni 2016, 23:48
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Spanien hat in Gruppe D für den bisher höchsten Sieg dieser EM gesorgt. Dank dreier Stürmertore steht der Titelverteidiger im Achtelfinale, das die Türken nur noch theoretisch erreichen können

Nizza – Gründe für Niederlagen gibt es immer viele. Und Ausreden noch viel mehr. Die Türkei hatte beim 0:1 gegen Kroatien auch spielerisch enttäuscht. Teamchef Fatih Terim nannte drei Gründe für den Fehlstart: "Transferverhandlungen", "Probleme im Privatleben" und "wenig Spielpraxis". Und außerdem habe er "kein Verständnis" für die Diskussionen über Ozan Tufans Frisur.

Also, Konzentration auf Fußball. Die Aufgabe am Freitagabend war schwer genug. Im Stade de Nice ging es gegen Spanien. Der Titelverteidiger ist es auch, der deutlich mehr Spielanteile hat. Chancen sind allerdings Mangelware. 11. Minute: Hakan Balta kommt im Strafraum gerade noch vor dem einschussbereiten Álvaro Morata zum Ball.

Auch die Spanier haben zum Auftakt nicht geglänzt, aber wenigstens gewonnen (1:0 gegen Tschechien). Es dauert mehr als 20 Minuten, bis auch die Türken ins Spiel kommen. Die erste bessere Möglichkeit ergibt sich aus einem Freistoß (27.) – Hakan Calhanoglu schießt aus 25 Metern drüber. 29. Minute: Nolito schießt von der Strafraumgrenze scharf, aber knapp vorbei.

Doppelschlag

34. Minute: Nolito findet Moratas Kopf, und von dort findet der Ball den Weg ins Tor, 1:0. 37. Minute: Nolito bekommt im Strafraum den Ball von Mehmet Topal serviert. Nolito bedankt sich, schießt zum 2:0 ein. Der 29-jährige Stürmer von Celta Vigo debütierte erst im November 2014 in Spaniens Team, ist also noch kein Europameister, kein Weltmeister. In seinem elften Länderspiel trifft er zum fünften Mal.

Nach der Pause ist wie vor der Pause. Spanien dominiert, die Türken beinah teilnahmslos. 48. Minute: Andrés Iniesta spielt auf den im Abseits stehenden Jordi Alba. Kein Pfiff. Alba passt auf Morata, der trifft zum zweiten Mal an diesem Abend und zum 3:0.

Spaniens Teamchef hatte vor der Partie gemeint, dass seine Stürmer "mehr Tore erzielen" müssten. Die Stürmer waren folgsam. Die Furia Roja ist das erste Team bei dieser EURO, das öfter als zweimal trifft.

In Nizza ist die Luft draußen. Ein 0:3 aufzuholen – das trauen sich nicht einmal die ansonsten so leidenschaftlichen Türken zu. Gründe für Niederlagen gibt es immer viele. Aber am Freitag ist die Antwort ziemlich einfach: fußballerisch hapert es an allen Ecken und Enden. Da lässt sich auch für den Superstar Arda Turan vom FC Barcelona nichts herausreißen. Die Spanier sind nicht zum Zaubern gezwungen. Sie tun es auch nicht. Tiqui-Taca ist Normalkost. Die Türken sind freundliche Zuschauer.

In Minute 64 ist das 100. Länderspiel für David Silva zu Ende. 78. Minute: die Welle geht durchs Stadion, auch die Türken machen mit. Auf dem Spielfeld wird noch gekickt. Die Spanier haben noch die eine oder andere Chance, aber das Tempo ist gedrosselt. Irgendwann gehen auch die längsten Schlussminuten zu Ende.

Spanien hat das Achtelfinalticket sicher, spielt sich zum Abschluss mit Kroatien den Gruppensieg aus. Die Türkei ist trotz zweier Niederlagen noch nicht fix draußen, ein Sieg gegen Tschechien kann noch Platz drei bringen. Allerdings erreichen nur vier von sechs Gruppendritten das Achtelfinale. (red, 17.06.2016)

Fußball-EM 2016, Gruppe D, 2. Runde:

Spanien – Türkei Endstand 3:0 (2:0). Nizza, Stade de Nice, 33.409 Zuschauer, SR Milorad Mazic (SRB).

Tore:

1:0 (34.) Morata

2:0 (37.) Nolito

3:0 (48.) Morata

Spanien: De Gea – Juanfran, Pique, Ramos, Alba (81. Azpilicueta) – Fabregas (71. Koke), Busquets, Iniesta – Silva (64. Soriano), Morata, Nolito

Türkei: Babacan – Gönül, Topal, Balta, Erkin – Calhanoglu (46. Sahin), Tufan, Inan (70. Malli), Özyakup (62. Sahan), Turan – Yilmaz

Gelbe Karten: Ramos bzw. Tufan, Yilmaz

Stimmen:

Vicente del Bosque (Teamchef Spanien): "Wir haben unser erstes Ziel erreicht und uns für das Achtelfinale qualifiziert. Wir haben den Gegner 90 Minuten beherrscht und Tore geschossen. Das war nicht zuletzt nicht immer so. Jetzt wollen wir so weiter machen und noch viel weiter kommen. Es ist immer schwer Turniere miteinander zu vergleichen. Wir dürfen nicht in der Vergangenheit leben. Bei diesem Turnier haben wir noch nichts erreicht, gerade einmal die Gruppe überstanden. Es ist noch ein langer Weg zu gehen."

Alvaro Morata (zweifacher Torschütze, Spanien): "Wir sind sehr zufrieden wie wir gespielt haben, ich bin natürlich auch mit meinen Toren sehr glücklich. Wir haben hart an uns gearbeitet. Es war ein großes Spiel von uns gegen eine schwer zu bespielende Mannschaft. Jetzt wollen wir auch das letzte Spiel in der Gruppe gewinnen. Wir genießen die tolle Atmosphäre und denken nicht daran, ob wir Favoriten auf den Titel sind oder nicht."

Andres Iniesta (Spanien): " Wir haben gewusst, dass die Türkei starke Spieler hat. Wir haben versucht den Ball schnell zu bewegen, das hat heute zum Glück zu Toren geführt."

Fatih Terim (Teamchef Türkei): "Sie waren besser als wir. Ich bin überhaupt nicht zufrieden, wie wir aufgetreten sind. Spanien spielt auf einem hohen Niveau, aber wir waren heute trotzdem weit unter unseren Erwartungen. Einige Spieler haben sich heute aufgegeben und das kann ich als Trainer nicht akzeptieren."

Nuri Sahin (Türkei): "Wir haben heute zu viele Fehler gemacht. Wir sind schwer enttäuscht. Gegen einen so starken Gegner sind wir einfach nicht mehr ins Spiel zurückgekommen, nachdem wir in Rückstand geraten sind. Es ist noch nicht vorbei, wir haben noch eine Chance und werden alles geben die zu nutzen."

  • Zuerst traf Morata, dann Nolito und daraufhin noch einmal Morata. Die spanische Elf hatte mit der Türkei keine großen Probleme.
    foto: imago/colorsport

    Zuerst traf Morata, dann Nolito und daraufhin noch einmal Morata. Die spanische Elf hatte mit der Türkei keine großen Probleme.

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