Krise in Kroatien: Erweiterte Selbstzerstörung

Kommentar17. Juni 2016, 17:36
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Für die HDZ wäre es an der Zeit, die destruktive, irrationale und verantwortungslose Führung loszuwerden

Es gibt Leute, denen reicht es nicht, wenn sie selbst untergehen; sie wollen auch die anderen mit sich in die Tiefe ziehen. Der Chef der konservativen kroatischen Parlamentspartei HDZ, Tomislav Karamarko, hat in den vergangenen Wochen vorgezeigt, wie man die eigene Partei und Regierung zerstört, die eigentlich gar kein Problem hatte – außer Karamarko selbst. Er hat nie verwunden, dass er nach der Wahl im Herbst nicht Premier geworden war. Durch den Korruptionsverdacht – wegen einer Zahlung an seine Ehefrau – wurde er selbst politisch nicht mehr tragbar, machte daraus aber eine Staatskrise.

Für die HDZ wäre es nun hoch an der Zeit, diese destruktive, irrationale und verantwortungslose Führung loszuwerden. Karamarko hat die HDZ in den letzten Jahren zudem nach rechts geführt. Der Ex-Geheimdienstchef ist selbst vor allem an den Sicherheitsdiensten interessiert, für die ökonomische Entwicklung des Staates, der seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise steckt, hat er sich nicht engagiert. Dafür hat er seinen Freund Zlatko Hasanbegovic als Kulturminister eingesetzt, der rechte Symbolpolitik betrieb.

Der moderatere Flügel der HDZ will zurück zu einem Kurs der Mitte, wie ihn die frühere HDZ-Chefin Jadranka Kosor und Ivo Sanader verfolgt haben. Viele wünschen sich Finanzminister Zdravko Maric als Kandidaten fürs Premiersamt, doch der ist derzeit kein HDZ-Mitglied. (Adelheid Wölfl, 17.6.2016)

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